DZL-07 TISCHLERPLATTE

mein Vater, Tischler, hatte keine Tischlerplatte,
er hatte eine Hobelbank, schließlich im Garten
abgestellt, unter dem Verschlag mit dem Pony.

Im Hintergarten gab es eine Blende aus seiner Hand
auf Wunsch der Großmutter, die beim Kochen
nicht beobachtet werden wollte vom Nachbarn.

Wobei ich jetzt gar kein klares Bild habe von einer
Tischlerplatte: er leimte Platten gar nicht zusammen,
verwendete Vollholz, Buche, Eiche, Eibe, Kirsch

für das, was er zurechtschnitt, verleimte, lackierte,
verwendete Augen, Mund, Hände und Blut,
alles für die Ewigkeit, seine eigene zumindest.

Seine hölzernen Erzeugnisse: bald aus dem Haus
geworfen, im Freien der Witterung ausgesetzt,
wie vorher die Bäume, die er selbst schlägerte

mit Augen, Mund, Händen, seinem eigenen Blut.
Betten, Kästen, Bänke, Sessel, Schemel – im Lauf
der Jahre überwuchert, morsche Wohnstatt und Nahrung

der Insekten. Das war die Tischlerplatte: was
Nachkommen verschmähten, der Hintergarten nahm
alles auf, sein Loblied auf den Holzkreislauf

(2013)

(Erschienen in: Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015)

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