EI-11 29. FEBRUAR

zum Februar hin hält die Zeit langsam an.
Der Letzte ist zugleich die Mitte des Jahres,
deren gar nicht verfrühter Vorbote, schon
mit Frühlingsgestürm, Temperaturanstieg,
Regenschauern, Schatten und weiße Sonne.

Sprießen, Getriebe unterm Haus in dieser Erde.
Feuchtigkeit, Trockenheit, jähe Weiterentwicklung.
Wechselhafte Tage und Stunden in Sekunden. Schauder,
Erwartung, Hoffnung, auf alles gesetzt, auch Angst.

Heute noch nicht verloren, morgen vom Erdboden verschluckt.
Bis zur Wiederkehr eine Ewigkeit, zugleich nur ein Schnipser.
So durchlebt sich dieser Tag, schon angebrochen,
Punkt Mitternacht sein lautloses Ende. Oder Trompeten.

Dann schnell grüne Bäume, Bäume in Pracht, Bäume
mit singenden Vögeln, kotige, schrundige Wege,
die zuwachsen, frei laufende Hunde. Zikaden, grüne Felder,
Lieblingsblumen, Lieblingskraut, Efeu, Betäubung mit Geruchssinn.

Bach, Wehr, Baumhaus, Schneeglöckchen, Anemonen, Primeln.
Farn über mir, wächst mir durch Mund und Ohren. Im Augenausschnitt
rauscht der Himmel vorbei, ändert im Sekundentakt
die Farbe. Das Herz, noch ein sehr junges, hüpft und schreit.

Es wird ein gewöhnlicher Tag mit gewöhnlichem Essen sein,
zugleich ein Festmahl in freudiger Trauer,
trauriger Freudigkeit, Ächzen und Scherzen, Ironie.
Die Februargäste, die dann unten am Tisch sitzen werden:
morgen - im März - spurlos verschwunden, als wär schon Silvester

(Mittwoch, 29.2.2012, 8.44 Uhr)
höch (Gast) - 2012-03-02 12:34

Das ist eines der schönsten aber auch traurigsten Gedichte zum Thema Zeit Vergänglichkeit.
man kann diesen noch nicht Frühling-nicht mehr WInter Geruch spüren, auch das Getriebe, dieGeräusche, aber ist es nicht immer so , mit jedem Monat,ist nicht jeder Monat ein verlust , ein unendlicher Verlust ?
Wenn man Grippe hat (und wieder gesund wird,) ist das gut, und man erblickt die Welt auf eine gehäutete Weise;
wenn man Freunde nicht mehr trifft und nicht weiß warum und sie dann wieder zurückgewinnt, ist es gut,
Vieles lässt sich ersetzen ...
Die Monate aber, die zuende sind, die kommen nie wieder...

e.a.richter - 2012-03-05 10:14

Im Lauf der letzten Jahre hat sich dieses Gefühl herausgebildet, bis Ende Februar verlangsamt sich die Zeit, bis sie beinahe still steht. Mit dem Auftauchen wärmerer und längerer Tage tritt eine Beschleunigung ein, die auch nach der Sommersonnenwende nicht aufzuhalten ist - so als stürze das Jahr immer schneller seinem Ende zu.

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