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    <title>e.a.richter</title>
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    <description></description>
    <dc:publisher>e.a.richter</dc:publisher>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:date>2016-01-06T10:08:28Z</dc:date>
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    <title>e.a.richter</title>
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  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/0126-1a-auch-ein-abgang/">
    <title>0126-1a AUCH EIN ABGANG</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/0126-1a-auch-ein-abgang/</link>
    <description>die gnädige frau sprachgestört wohnt sie&lt;br /&gt;
seit einem unfaßbaren familiären schreck&lt;br /&gt;
da hinterm herrschaftlichen gitter&lt;br /&gt;
im herrschaftlichen schloß&lt;br /&gt;
Neuschönbrunn genannt von neidischen verwandten&lt;br /&gt;
gleich gegenüber den argwöhnisch vergitterten &lt;br /&gt;
fenstern des alten herrn der sie höchstens einmal&lt;br /&gt;
am tag zum luftschöpfen öffnet.&lt;br /&gt;
über die gnädige frau&lt;br /&gt;
laß ich überhaupt nix kommen,&lt;br /&gt;
sagt die wirtschafterin, erst gestern abend &lt;br /&gt;
rausgeschmissen von der heut woanders&lt;br /&gt;
weilenden gnädigen in der frauenrunde der övp&lt;br /&gt;
vielleicht jedenfalls viel wichtigeres tuend&lt;br /&gt;
als gold &amp; silber zu hüten&lt;br /&gt;
die ungeheuer sensibel&lt;br /&gt;
von überall her zusammengetragenen möbel&lt;br /&gt;
die amerikaner in der garage&lt;br /&gt;
oder die kostbaren weine der klosterneuburger chorherrn.&lt;br /&gt;
im stiftskeller sitzend beim vierten viertel&lt;br /&gt;
denkt die auf straße gesetzte&lt;br /&gt;
nach der zehnten zigarette an die verrückte verwandte&lt;br /&gt;
der gnädigen die an allem schuld ist:&lt;br /&gt;
die hat sich da eingeschlichen&lt;br /&gt;
um sie da rauszuekeln&lt;br /&gt;
nach drei wochen probezeit&lt;br /&gt;
um in abwesenheit der gnädigen ihrer schwägerin&lt;br /&gt;
den prunk den wert und das originelle zusammenpassen&lt;br /&gt;
der gegenstände zu genießen als wärens&lt;br /&gt;
die eigenen und ein bisserl tischerlrücken&lt;br /&gt;
zu spielen unter der ungeheuerlichen vorstellung&lt;br /&gt;
das sei alles unverrückbar&lt;br /&gt;
ihr eigentum mit eigenem schweiß und eigener arbeit&lt;br /&gt;
sinnvoll und planmäßig&lt;br /&gt;
zusammengerafft hier angehäuft&lt;br /&gt;
von ihr als wär ihr verpfuschtes leben&lt;br /&gt;
nur verpfuscht durch den zufall der zeitläufte&lt;br /&gt;
durch die unselige verkettung&lt;br /&gt;
mit ihrer mutter durch ihre gutheit ihre ekelhafte&lt;br /&gt;
mischung aus gutheit und dummheit&lt;br /&gt;
naivität und raffinesse besonders dann&lt;br /&gt;
wenns um den erwerb alter sachen geht&lt;br /&gt;
aus dem volksladen zum beispiel&lt;br /&gt;
nicht kostbare alte sondern nur&lt;br /&gt;
alte gebrauchte von menschen zur hand&lt;br /&gt;
genommen mit den spuren&lt;br /&gt;
des zurhandnehmens des lebens mit ihnen.&lt;br /&gt;
die gnädige war unvergeßlich,&lt;br /&gt;
sagt die wirtschafterin, in ihrem weißen nerz&lt;br /&gt;
auf der teppichbelegten stufe stehend&lt;br /&gt;
als sie der schlag traf&lt;br /&gt;
sozusagen zur erinnerung ihrer selbst&lt;br /&gt;
erstarrte  ich laß nix über sie kommen&lt;br /&gt;
auch jetzt nicht hier auf der straße&lt;br /&gt;
mit meinen büchern französischkenntnissen&lt;br /&gt;
beschwipst und wie immer häßlich&lt;br /&gt;
ohne einem ordentlichen mannsbild&lt;br /&gt;
in greifnähe nur ein schwerhöriger diener&lt;br /&gt;
mit dem sichs nicht einmal durch den austausch von zigaretten&lt;br /&gt;
flirten läßt zur entzündung des herrschaftlichen hauses&lt;br /&gt;
etwa: wenn man böses dächte&lt;br /&gt;
was die aber nicht tut wie sie sagt.&lt;br /&gt;
aber alles brennbare würd sie jetzt &lt;br /&gt;
liebend gern auf diese verrückte stürzen&lt;br /&gt;
ihr die erkenntnis über sie in die haut&lt;br /&gt;
brennen damits ihr einmal aufgeht&lt;br /&gt;
unter die haut geht was sie eigentlich ist nämlich&lt;br /&gt;
ein waschlappen ein nichtsnutziges hunderl&lt;br /&gt;
das sich zwanghaft nützlich&lt;br /&gt;
machen muß unentbehrlich eine gezeichnete&lt;br /&gt;
wie ich, sagt die wirtschafterin,&lt;br /&gt;
die sich aber letzten endes noch schamloser&lt;br /&gt;
ausnutzen läßt und daher noch schamloser&lt;br /&gt;
verbündet mit jenen die sie und die &lt;br /&gt;
vor ihnen schamlos ausraubten.&lt;br /&gt;
den lebenserwerb von 10 jahren in 10 pappschachteln&lt;br /&gt;
in einem taxi läßt sie das alles und sich&lt;br /&gt;
zum südbahnhof transportieren&lt;br /&gt;
in erwartung einer lauwarmen nacht&lt;br /&gt;
im warteraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1974)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Veröffentlicht in: DIMENSION, Contemporary Arts and Letters, Vol. VIII, No. 1 &amp; 2, 1975)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2016 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2016-01-05T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/0126-1b-a-kind-of-departure/">
    <title>0126-1b A KIND OF DEPARTURE</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/0126-1b-a-kind-of-departure/</link>
    <description>the lady of the house speech-impaired&lt;br /&gt;
since an incomprehensible family fright&lt;br /&gt;
she lives there behind manorial bars&lt;br /&gt;
in a manorial castle&lt;br /&gt;
called  neuschönbrunn by jealous relatives&lt;br /&gt;
right across the distrustfully barred&lt;br /&gt;
windows of the old man who opens them at most once&lt;br /&gt;
a day for a breath of air.&lt;br /&gt;
i don&apos;t let anybody&lt;br /&gt;
knock the lady&lt;br /&gt;
the housekeeper says, thrown out only&lt;br /&gt;
yesterday evening by the lady who is tarrying&lt;br /&gt;
elsewhere today in the women&apos;s circle of the austrian people party&lt;br /&gt;
perhaps doing things more important &lt;br /&gt;
than tending gold &amp; silver&lt;br /&gt;
the furniture collected from everywhere&lt;br /&gt;
with tremendous sensitivity&lt;br /&gt;
the american cars in the garage&lt;br /&gt;
or the expensive wines of the klosterneuburg canons.&lt;br /&gt;
sitting in the convent cellar with the fourth quarter-liter&lt;br /&gt;
after the tenth cigarette the woman thrown out in the street&lt;br /&gt;
thinks of the lady&apos;s insane relative&lt;br /&gt;
who is to blame for everything:&lt;br /&gt;
she only sneaked in&lt;br /&gt;
to disgust her into leaving&lt;br /&gt;
after a trial period of three weeks&lt;br /&gt;
in order to enjoy in the absence of the lady her sister-in-law&lt;br /&gt;
the splendor and the value and the eccentric harmony&lt;br /&gt;
of the objects as though they were&lt;br /&gt;
her own in order to play a little at&lt;br /&gt;
rearranging tables under the monstrous impression&lt;br /&gt;
everything is immovable&lt;br /&gt;
her own property with her own perspiration and effort&lt;br /&gt;
sensibly and deliberately&lt;br /&gt;
swept together piled up here&lt;br /&gt;
by her as though her wrecked live were&lt;br /&gt;
only wrecked by accident the times&lt;br /&gt;
by the fatal link&lt;br /&gt;
to her mother through her goodness her disgusting&lt;br /&gt;
mixture of goodness and stupidity&lt;br /&gt;
naiveté and refinement especially&lt;br /&gt;
in acquiring old things&lt;br /&gt;
from the thrift shop for example&lt;br /&gt;
not expensive old but only&lt;br /&gt;
old used articles handled by people&lt;br /&gt;
with marks of handling&lt;br /&gt;
of life on them.&lt;br /&gt;
the lady was unforgettable,&lt;br /&gt;
the housekeeper says, in her white mink&lt;br /&gt;
standing on the carpeted stairs &lt;br /&gt;
when she had the stroke&lt;br /&gt;
stiffened in memory of herself&lt;br /&gt;
so to speak - I won&apos;t have people knocking her&lt;br /&gt;
not even here now on the street&lt;br /&gt;
with my books knowledge of french&lt;br /&gt;
tipsy and ugly as always &lt;br /&gt;
without a decent man&lt;br /&gt;
oh an ordinary man image&lt;br /&gt;
within reach only one a partially deaf servant&lt;br /&gt;
one can&apos;t even flirt with&lt;br /&gt;
by trading cigarettes to fire up the manorial family&lt;br /&gt;
if one perchance had wicked thoughts&lt;br /&gt;
which she however does not as she says.&lt;br /&gt;
but now she would dearly like to&lt;br /&gt;
dump everything combustible on this insane woman&lt;br /&gt;
burn her perception of her into her skin&lt;br /&gt;
so that she gets it into her head&lt;br /&gt;
gets it under her skin what she really is&lt;br /&gt;
namely a dishrag a useless puppy&lt;br /&gt;
that compulsively must make itself&lt;br /&gt;
useful indispensible a marked woman&lt;br /&gt;
like me, the housekeeper says,&lt;br /&gt;
who however in the last analysis lets herself&lt;br /&gt;
be taken advantage of still more shamelessly&lt;br /&gt;
and therefore still shamelessly allied with&lt;br /&gt;
those who shamelessly exploited her&lt;br /&gt;
and those before them.&lt;br /&gt;
the life acquisitions of 10 years in 10 cardboard boxes&lt;br /&gt;
in a taxi she have them and herself&lt;br /&gt;
transported to the station&lt;br /&gt;
expecting a very mild night&lt;br /&gt;
in the waiting room.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1974)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(translated by Graydon Ekdahl, published in DIMENSION, Contemporary Arts and Letters, Vol. VIII, No. 1 &amp; 2, 1975)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-12-29T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/0107a-the-teachers/">
    <title>0107a - THE TEACHERS</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/0107a-the-teachers/</link>
    <description>the teachers leave&lt;br /&gt;
the school the prettiest teacher too&lt;br /&gt;
escapes the pupils&apos;&lt;br /&gt;
twiddling thumbs the gong&lt;br /&gt;
is taken along the sponge&lt;br /&gt;
drips into the afternoon it is raining&lt;br /&gt;
chalk &amp; rhetoric from the notebooks&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
the facade lovers&lt;br /&gt;
come out from their hiding places&lt;br /&gt;
behind the sand &amp; the heaps&lt;br /&gt;
they have their plans&lt;br /&gt;
planly on their breast&lt;br /&gt;
between the cheeks of their naked asses&lt;br /&gt;
the past century florishes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
here there was a meadow now&lt;br /&gt;
only the oats felt by the pupils&lt;br /&gt;
grow and verdigris&lt;br /&gt;
on the faces the janitors&lt;br /&gt;
are all one-eyed cleaning ladies&lt;br /&gt;
smell like vinegar in the cellar&lt;br /&gt;
a mound of discarded sandwiches&lt;br /&gt;
is kept for hard times in the attic&lt;br /&gt;
beat up furniture&lt;br /&gt;
as perverse proof&lt;br /&gt;
for irreducible repression&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
the teachers observe&lt;br /&gt;
the behavior of  passers-by &lt;br /&gt;
on the streets clothing and hair style&lt;br /&gt;
the associations sit cramped&lt;br /&gt;
between the ears sports&lt;br /&gt;
as a remedy for sexuality&lt;br /&gt;
swollen tongues&lt;br /&gt;
between the teeth a multitude&lt;br /&gt;
of squandered sounds squandered&lt;br /&gt;
hours swollen fingers&lt;br /&gt;
between their thighs the teachers&lt;br /&gt;
observe their responsibility&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1971)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(translated by Graydon Ekdahl, published in DIMENSION, Contemporary Arts and Letters, Vol. VIII, No. 1 &amp; 2, 1975)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Deutsch &lt;a href=&quot;http://earichter.twoday.net/stories/107-die-lehrer/&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-12-23T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dt-001-ute/">
    <title>DT-001 FETISCH</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dt-001-ute/</link>
    <description>(YVONNE)							&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihre weiße Bluse steif, ein Fetisch,&lt;br /&gt;
der mich noch jetzt aufstachelt und jagt.&lt;br /&gt;
Als Fetisch saß sie neben mir in ihrer&lt;br /&gt;
verwerflichen Gestalt im Bus, Zeugs flüsternd, 	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und während sie lächelte, wußte ich,&lt;br /&gt;
es war eine Kopfgeburt. Ebenso ihre&lt;br /&gt;
Zunge, die als Fetisch aus ihren Ohren&lt;br /&gt;
hervordrang, inmitten ihrer pechschwarzen Haare.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach so vielen Jahren aus Russland			&lt;br /&gt;
nähert sich devot ein pechschwarzes Fräulein,&lt;br /&gt;
was die Vergangene nie gewesen wäre. 		&lt;br /&gt;
Die steigt mit mir noch immer auf den Kirchturm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und beide tapfer vorbei am Perpendikel,&lt;br /&gt;
der aus der Dunkelheit vorbeisaust, unheimlich&lt;br /&gt;
zischend, sodass wir zur Kirchturmuhr&lt;br /&gt;
hinauf flüchten müssen, die jede Sekunde knackt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Zahnrädern oder Mechanik keine Spur&lt;br /&gt;
bei jener, die ohne es zu deklarieren nur eine Neuauflage&lt;br /&gt;
sein kann. Trotzdem: schön wie ein schalenloses Ei&lt;br /&gt;
jeden Morgen fällt mir ein neues Foto&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ins Mailfach, und jedes zeigt eine neue Frau,&lt;br /&gt;
die doch, genauer betrachtet, nur eine Variation&lt;br /&gt;
derselben russischen Fetischwilligen ist, rätselhaft&lt;br /&gt;
ansatzweise mit Lächeln, die einander&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gleichen in ihrem tiefgründigen Sanftmut,&lt;br /&gt;
die keinerlei Forderungen verbirgt, außer&lt;br /&gt;
jenen, die sich in mir von anderen breit&lt;br /&gt;
gemacht haben, Relikte jeder Verabschiedung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwer fassbar, dass sie als Wiedergängerin&lt;br /&gt;
kein Irrtum sein soll. Denn alle Ankündigungen&lt;br /&gt;
entsprechen den Versprechen von damals.&lt;br /&gt;
Was jetzt da ist, ist zugleich weit weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was damals schüchtern angeknüpft wurde,&lt;br /&gt;
hatte eine klare Ablaufzeit, angezettelt&lt;br /&gt;
von besorgten Eltern. Jetzt der autonome Irrtum,&lt;br /&gt;
geheimnisvoll fortgepflanzt über Grenzen und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf eine gewisse Weise undurchdringlich.&lt;br /&gt;
Der weiße Monitor ist weiblich, der neue Fetisch,&lt;br /&gt;
beruhigend in seiner Affinität zum täglichen&lt;br /&gt;
russischen Frauengesicht, dessen Spiel mit dem Ernst	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Dienstag, 27.10.2015, 8.15 Uhr</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-12-19T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-18-das-bett/">
    <title>DZL-18 DAS BETT</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-18-das-bett/</link>
    <description>das Bett, das alles verraten wollte&lt;br /&gt;
und nichts verriet: nichts über die Lampe, &lt;br /&gt;
die sich über die sieben Polster&lt;br /&gt;
hinwegbog, neben denen ich, dicht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an die Mauer gepresst, oft unvermittelt &lt;br /&gt;
einschlief. Nichts über die Herkunft der Polster, &lt;br /&gt;
die sich schnell von selbst auftürmten,&lt;br /&gt;
links neben dem Kopf, Lichtschutz,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zugleich durchscheinend für all das Licht, &lt;br /&gt;
das die ganze Nacht draußen brannte. &lt;br /&gt;
Nichts über den Tag, der zur Nacht &lt;br /&gt;
gemacht wurde, ungefragt, ohne Groll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
alles, was in die Vergangenheit wies, &lt;br /&gt;
hatte da in Ordnern, Mappen sich angehäuft, &lt;br /&gt;
auf Disketten, Festplatten und Sticks: &lt;br /&gt;
so oft unzugängliche absurde lokale Poesie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Raum konnte ich mir&lt;br /&gt;
jederzeit umschnallen. Er konnte mir&lt;br /&gt;
den Atem nehmen, mir ein ausgelagertes&lt;br /&gt;
Gedächtnis vorspiegeln, Stufen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die in Gänge, Gewölbe hinabführten, &lt;br /&gt;
Tische, die sowohl der Niederschrift&lt;br /&gt;
als auch weiteren Lagerung dienten, &lt;br /&gt;
Fensterbretter, auf denen sich Mitbringsel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aus allen Weltgegenden ansammelten.&lt;br /&gt;
Es konnten auch jederzeit neue Tuchenten &lt;br /&gt;
und Decken auftauchen. Sie konnten blank&lt;br /&gt;
oder voller unvorhersehbarer Verse sein,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gedruckten, auch handgeschriebenen, &lt;br /&gt;
die sich von selbst vorlasen,&lt;br /&gt;
und zwar mit meiner eigenen Stimme,&lt;br /&gt;
über die sich dann fremde Stimmen legten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bett unter mir, auch zu beiden Seiten.&lt;br /&gt;
Zu manchen Zeiten eine Art Seidenhimmel, &lt;br /&gt;
wenn ich aufblickte, der allerdings nie&lt;br /&gt;
die Farbe des natürlichen Firmaments annahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bett, so nah wie die staubtrockenen Leintücher, &lt;br /&gt;
Tücher überhaupt, schwarzen Hemden,&lt;br /&gt;
alles Schwarze und Rote, die Bluttaten, &lt;br /&gt;
die Wundmale, der Nabel, das Geschmeide&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2014)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition &lt;br /&gt;
Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Rezension: &lt;a href=&quot;http://www.fixpoetry.com/feuilleton/kritiken/ea-richter/der-zarte-leib&quot;&gt;fixpoetry&lt;/a&gt;)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Rezension: &lt;a href=&quot;http://www.literaturhaus.at/index.php?id=10794&quot;&gt;Literaturhaus Wien&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-06-23T11:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-16-puppi-1/">
    <title>DZL-17  PUPPI</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-16-puppi-1/</link>
    <description>was zu sehen ist, in einzelne Stücke zerlegen;&lt;br /&gt;
alle diese Kunstfiguren in weibliche Anatomie &lt;br /&gt;
auffächern; Männer in den Hintergrund stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So wiederholt sich die Idee des Erzeugers auch &lt;br /&gt;
im eigenen Kopf: Gender-Bending. Daran, &lt;br /&gt;
wie er das Skelett aus Holz und Metall&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ummantelt hat, denke ich nicht. Überhaupt nicht &lt;br /&gt;
an ein ganzes Ding: Die Gliederpuppe tritt&lt;br /&gt;
aus dem Ursprung hervor, wie sie sich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von der Bauchkugel aus langsam zusammenfügt. &lt;br /&gt;
Wie sie voller Beweglichkeit sich von Anfang an &lt;br /&gt;
Autonomie simuliert. Wie eine Vielfalt von Posen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Betrachter zum Mitakteur machen, wenn auch &lt;br /&gt;
nur durch Blickfang. Nie werden ihn wirklich&lt;br /&gt;
Puppis Augen verfolgen; er darf sich das aber wünschen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch bei Brustaugen, Handaugen,  Augen  und damit &lt;br /&gt;
Blicke  vom Nabel, von den Kniescheiben aus, &lt;br /&gt;
direkt einleuchtend, zutiefst nebulös&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2014)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-06-01T11:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-16-trompeter/">
    <title>DZL-16  TROMPETER</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-16-trompeter/</link>
    <description>Trompeter ist kein Einbildungsmann.&lt;br /&gt;
Ich sah ihn zum ersten Mal im Hegelhof. &lt;br /&gt;
Vielleicht hatte Hegel keine Trompete, auch &lt;br /&gt;
keinen Hof, der Mann hatte keine Hegeltrompete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kehle und Unterleib erfüllt aber Trompeter &lt;br /&gt;
in seiner spontan inszenierten &lt;i&gt;competition&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
mit seinen Doppelgängern. Die vielen jungen Männer, &lt;br /&gt;
wie sie so enggedrängt und äußerst aufmerksam&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zur Tür hin schauen, auch auf den Kreis &lt;br /&gt;
in der Mitte, wo nur Trompeter steht,&lt;br /&gt;
alle andern, auch der mögliche Schlagzeuger, &lt;br /&gt;
stumm und ganz Ohr. Es gibt nur Trompeterton,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der sie alle trifft, das Kommando&lt;br /&gt;
zum Lauschen und Sitzenbleiben, eine zutiefst &lt;br /&gt;
befriedigende, noch unsichtbare Lähmung. &lt;br /&gt;
Trompeter scheut wie so oft das Licht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
berührt den Sampler mit seinen nackten Zehen, &lt;br /&gt;
wird nicht frieren. Er beugt sich nach rechts &lt;br /&gt;
und nach links; in gewissen Abständen tropft dann&lt;br /&gt;
Speichel ab, für die meisten nicht wahrnehmbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trompeter streckt die Trompete dem Mikro entgegen, &lt;br /&gt;
dreht sie nach oben, über den Kopf hinweg,&lt;br /&gt;
das alles beinahe in völliger Dunkelheit,&lt;br /&gt;
als wär die unbemerkt von der Decke herabgesunken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trompeter ist eine Weile nur Nachbild, &lt;br /&gt;
während das Raue, der Stoß, die Stoßfolge&lt;br /&gt;
durch den Sampler vorbereitet wird auf viel sanftere&lt;br /&gt;
Weise als beim noch unbegleiteten Stück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur kurz ist Trompeter allein mit seinem Instrument. &lt;br /&gt;
Danach tritt die Trompete vielfältig&lt;br /&gt;
aus allen Lautsprechern hervor, als wär sie &lt;br /&gt;
eine fremde, aus der Ferne herbeigeholt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trompeter gibt sich am Ende die Gelegenheit,&lt;br /&gt;
seiner Trompeterstimme zu antworten, mit einem Dauerton, &lt;br /&gt;
zu dem er sich Luft holt aus beiden Backen,&lt;br /&gt;
während ganz von allein die Nase weiteratmet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2014)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-05-04T11:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-15-junge-frauen-auf-dem-balkon/">
    <title>DZL-15  JUNGE FRAUEN AM BALKON</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-15-junge-frauen-auf-dem-balkon/</link>
    <description>dem kleinen Mann macht die Situation einen Gefallen:&lt;br /&gt;
zwei junge Frauen, die einander fotografieren, nur für ihn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in den Spalten der Fensterflügel auf dem Balkon sichtbar;&lt;br /&gt;
das erleichtert den Voyeursblick, der schon das schrittweise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abtasten jedes Zentimeters Haut am Monitor vorwegnimmt. &lt;br /&gt;
Beide mit Hüten, braunen Sandalen, als wären sie ein-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und dieselbe. Sie treten mit anderen ins Bild, inzwischen&lt;br /&gt;
Hinzugekommenen, federnd, rollen die Füße ab, stellen sie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lässig nebeneinander hin, grätschen die Beine, verschränken &lt;br /&gt;
die Schenkel, während sie oben Model und Fotografin sind,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nur aufeinander ausgerichtet, ungeachtet der überwältigenden Kulisse. &lt;br /&gt;
Zwischen ihnen das unbedingte Glück dieses Moments:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man nimmt Posen wie Freundinnen ein, deren Begehren &lt;br /&gt;
nicht stillgelegt ist, Lachen und Übermut. Von rechts&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der kleine Mann hinter seiner noch kleineren Frau,&lt;br /&gt;
die ihren Schirm abwehrend dieser Mädchenansammlung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
entgegenstreckt, während er die Brust wölbt, den Hals dehnt: &lt;br /&gt;
Er atmet puren Sauerstoff, fixiert auf die Halluzination derer,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die alle für ihn Töchter und Geliebte abgeben müssten, an Ort &lt;br /&gt;
und Stelle, zugleich Engel, ohne einen Hauch von Widerstand&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2014)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-04-22T11:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-14-mundschutz-fuer-uebertraeger/">
    <title>DZL-14  MUNDSCHUTZ FÜR ÜBERTRÄGER</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-14-mundschutz-fuer-uebertraeger/</link>
    <description>es begann mit strahlenden Augen,&lt;br /&gt;
auf einer Schnitzerei im Rasen vor der Pulmologie. &lt;br /&gt;
Und gleich hinter der Tür der Mundschutzspender:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir zogen uns die Dinger schnell über, &lt;br /&gt;
denn an jeder weiteren Tür&lt;br /&gt;
klebte ein Plakat mit Mundschutz-Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und oben der Griff zum Desinfektionsmittelspender. &lt;br /&gt;
Es roch »entsetzlich«; und »schrecklich«&lt;br /&gt;
die Farben der Möbel und Vorhänge &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hellgrün, Lila, Braun, Schwarz, Rosa ,&lt;br /&gt;
die auf keinen Fall in ein Krankenhaus passten;&lt;br /&gt;
vier Sessel, zwei Schränke, Tisch und Bett; und Isolation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten den Kranken als Gesunden erachtet, &lt;br /&gt;
ihn überall berührt: an den Wangen,&lt;br /&gt;
Augen, Ohren, am Mund;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an den Gliedmaßen, am Geschlecht. &lt;br /&gt;
Wir mussten ihn pfleglich behandeln, &lt;br /&gt;
ignorieren die Eifersucht seiner Töchter,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zugleich eine Abfolge der Teilnahme arrangieren,&lt;br /&gt;
um gleichartig in den Genuss seiner Haut und Haare, &lt;br /&gt;
seines Fleisches zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Venen drangen wir in seine Lunge vor. &lt;br /&gt;
Dort konnten wir alle Verschattungen pflücken, &lt;br /&gt;
diese klebrigen Bakterienhäufchen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die so gern in seinem Körper zuhause waren&lt;br /&gt;
und ins Unendliche zu wachsen schienen, &lt;br /&gt;
ungeachtet dessen, dass aus uns nun Überträger wurden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2014)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-03-22T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-13-kontrolle-verlieren/">
    <title>DZL-13  KONTROLLE VERLIEREN</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-13-kontrolle-verlieren/</link>
    <description>Kontrolle verlieren, im Nebenraum, &lt;br /&gt;
wo alles aufgetürmt ist, was wieder &lt;br /&gt;
zurückgeräumt werden muss,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sollten die Geliebten je wieder kommen &lt;br /&gt;
so oft verschoben ihr Gelübde,&lt;br /&gt;
hier Platz einzunehmen, Tisch und Bett&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und einiges andere Lebenswichtige &lt;br /&gt;
nochmals zu etablieren. Kontrolle verlieren &lt;br /&gt;
auch ohne ein aufgespanntes Leintuch,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen Sesseln, aufgehäuften&lt;br /&gt;
Polstern, auf Sofas, Matten, im Staub zu jeder&lt;br /&gt;
Tages- und Nachtzeit  es ist erlaubt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kontrolle verlieren: keine Schlafprobleme, &lt;br /&gt;
keine Selbstbestätigungsprozeduren,&lt;br /&gt;
kein Nacktheitsentschuldigungsgetue.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal so schreien, einmal in herrlicher Wut sein. &lt;br /&gt;
Einmal in Windeln gegen die Wand fahren.&lt;br /&gt;
Einmal keine Körperverschlüsse denken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal begriffslos wie neugeboren. &lt;br /&gt;
Einmal entdeckt und Entdecker zugleich. &lt;br /&gt;
Einmal der unschuldig Lernende&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2014)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-03-15T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-12-fressen-und-wuchern/">
    <title>DZL-12 FRESSEN UND WUCHERN</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-12-fressen-und-wuchern/</link>
    <description>Gedichte zu fressen ist nicht&lt;br /&gt;
meine Sache. Ich lese langsam.&lt;br /&gt;
Ich verweigere das Lesen, oft auch das Essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Not kommt in den Nächten so etwas&lt;br /&gt;
wie Kulturhunger zutage: hungrig&lt;br /&gt;
zu sein nach etwas nicht genau zu Definierendem,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in dem sich das Weiteste mit dem Nächsten verbindet,&lt;br /&gt;
die Pflanze mit dem Objekt aus dem Kuipergürtel.&lt;br /&gt;
Auch die Pflanze würde ich nicht fressen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nicht weil sie nicht schmeckt oder noch grün ist:&lt;br /&gt;
ich habe sie schon so lang als Genossin akzeptiert,&lt;br /&gt;
dass sie ein Teil von mir zu sein scheint,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eine Leibesknospe. Vielleicht ist es deshalb&lt;br /&gt;
ein pflanzlicher Geruch, der mir entströmt.&lt;br /&gt;
Ich verströme mich schon jetzt als zukünftiges &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sediment, staubförmig oder als Film, der sich irgendwo &lt;br /&gt;
festsetzt und wuchert. Gedichte wuchern nicht.&lt;br /&gt;
Gedichte sprießen aus unterirdischen Quellen, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die wiederum sich von Metaphern nähren.&lt;br /&gt;
Ich hasse Metaphern, weil sie ein verkehrtes&lt;br /&gt;
Weltbild erzeugen: das allseits Zusammenhängende&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist zugleich das allseits Verdrängte.&lt;br /&gt;
Der enthüllende Wohlklang ist eine Leibeseigenschaft,&lt;br /&gt;
die sich im Lesen ereignet, als eigene geduldige Zutat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2014)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-02-24T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-11-schwimmerin/">
    <title>DZL-11 SCHWIMMERIN</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-11-schwimmerin/</link>
    <description>wenn sich das Tor geöffnet hat, fährt allen in ihren Booten&lt;br /&gt;
etwas wie ein Blitz ins Gesicht: die unerwartete Schönheit,&lt;br /&gt;
zugleich Verschlossenheit dieser Figur, die gar nicht strahlt,&lt;br /&gt;
aus ihrem Schatten heraus einen Moment lang alles stocken lässt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zufall, dass die Vorbeifahrenden nicht nach vorne schauen.&lt;br /&gt;
Der Gondoliere gibt keinen Hinweis; nur ein glücklicher Impuls, &lt;br /&gt;
wenn jetzt jemand den Kopf nach links wendet, weg&lt;br /&gt;
vom fotografierenden Mann, vom Kind, Handy der Freundin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und das Vorbeischweben stoppt, indem er im Reflex&lt;br /&gt;
mit allen Sinnesmöglichkeiten das Blickfeld erfasst und fixiert.&lt;br /&gt;
Nichts ist zu erforschen in diesem Moment, die Blitz- &lt;br /&gt;
erscheinung dieses Wasserwesens auf dem Silberball &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
setzt nur in der Phantasie Fragen in Gang, scheint sie doch &lt;br /&gt;
im Gleichgewicht zu sein, auch in einer höchst kippeligen Position.&lt;br /&gt;
Ihr Gesicht nicht zu sehen, nur die Badehaube,&lt;br /&gt;
ihr Badeanzug, die angezogenen Beine, die Knie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hinter den aufgepressten, viel zu großen Händen. &lt;br /&gt;
Man denkt vielleicht an ein Gleichgewichtszittern,&lt;br /&gt;
andauernde Anstrengung, nicht samt der Kugel ins Rollen&lt;br /&gt;
zu kommen, die vier, fünf Stufen herunter ins Wasser, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wodurch die sensible Verklammerung von Frau und Globus &lt;br /&gt;
mit einem Schlag gelöst sein würde. Ein rundes Ding &lt;br /&gt;
schwimmt, bleibt obenauf; doch die Schwimmerin &lt;br /&gt;
in ihrer glatten dichten trockenen Schönheit, anscheinend &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit geschlossenen Augen, ohne Schwimmbewegungen -&lt;br /&gt;
taucht nicht mehr auf, verschwunden im Nachbild.&lt;br /&gt;
Zurückbleibt ein heftiges Drängen, zwingender Grund,&lt;br /&gt;
die Bootsfahrt gleich nochmals von vorn zu beginnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2013)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-02-12T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-10-brautmaschine/">
    <title>DZL-10 BRAUTMASCHINE</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-10-brautmaschine/</link>
    <description>ein Mann braucht nur eine Wand und eine Braut.&lt;br /&gt;
Er braucht nur Gerümpel, das er an der Wand&lt;br /&gt;
so aufbaut, dass es ausschaut, als sei alles da&lt;br /&gt;
für eine eigenständige Hochzeit. Ein Mann braucht eine Braut,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sehr verliebt ist, eine Holländerin vielleicht,&lt;br /&gt;
die er erst einmal im Leben gesehen hat, eine Schwedin,&lt;br /&gt;
die jedem das Bett überlässt, der arm und heimatlos ist.&lt;br /&gt;
Ein Mann braucht eine Zugsbraut, die mit Nachtzügen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vertraut ist, mit ungebremsten Waggons, mit Schlüsseln,&lt;br /&gt;
die Waggontüren sperren, mit schlaflosen Zugnächten.&lt;br /&gt;
Ein Mann braucht eine Flugbegleiterin, die es managen kann,&lt;br /&gt;
Botschaften während des Auftischens und Abräumens&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu hinterlassen, die es schafft, unter ihrer roten Uniform&lt;br /&gt;
ihren glatten dichten schweißlosen Körper auszustellen.&lt;br /&gt;
Ein Mann braucht eine Volksschullehrerin, die all ihr Zusatzmaterial&lt;br /&gt;
in Schachteln packt und von einer Schule zur andern wandert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
immer guten Mutes, gegen Unlust, Unverständnis &lt;br /&gt;
ohne Gesichtsverlust beharrlich anrennt. Ein Mann braucht&lt;br /&gt;
eine Bautechnikerin, der Männerwiderstand so in Sinn &lt;br /&gt;
und Geschlecht übergegangen ist, dass sie sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ohne Schwierigkeiten aufpumpen kann in ihrem Overall,&lt;br /&gt;
auch die Stimme anpassen jeder Männerchorgruppe.&lt;br /&gt;
Es gibt viele Möglichkeiten, allein in einen Raum zu gehen &lt;br /&gt;
und begattet herauszukommen, zweifach beringt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2014)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2015 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2015-02-01T12:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://earichter.twoday.net/stories/dzl-09-wir-glaubten-an-das-blut/">
    <title>DZL-09 WIR GLAUBTEN AN DAS BLUT</title>
    <link>http://earichter.twoday.net/stories/dzl-09-wir-glaubten-an-das-blut/</link>
    <description>wir glaubten an das Blut. &lt;br /&gt;
Dieses Wir ist mit Vorsicht zu betrachten:&lt;br /&gt;
Ich glaubte an das Blut,&lt;br /&gt;
das in meinem rechten Auge aufgetaucht war&lt;br /&gt;
und nicht verschwand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie glaubte an mein blutiges Auge, &lt;br /&gt;
auch an ihre Schwarz-Weiß-Welt,&lt;br /&gt;
voller Symbole, Gleichnisse und Allegorien.&lt;br /&gt;
Wir diskutierten nicht, wir schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeiten der Gemeinsamkeit&lt;br /&gt;
spalteten sich auf in einen betriebsamen Tag bei ihr, &lt;br /&gt;
bei mir in die übertriebene Nacht.&lt;br /&gt;
Sie brach sich den Fuß auf der Promenade,&lt;br /&gt;
ich ließ mir die Linsen tauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich beschrieb diesen Vorgang viel genauer&lt;br /&gt;
als sie ihren sogenannten Hinfaller am See.&lt;br /&gt;
Ich sah durch die Plastikaugenabdeckung&lt;br /&gt;
auf die Brillensammlung, die nun völlig wertlos war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaubte an das Blut, &lt;br /&gt;
das jetzt aus den Augen tropfte,&lt;br /&gt;
auch daran, daß sie die Regentin der Blitze war,&lt;br /&gt;
die beim Kopfschütteln rechts und links auftraten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir war das Blut wichtig,&lt;br /&gt;
man malt mit Blut, nicht mit Wasser.&lt;br /&gt;
Man lässt das eigene Blut in die Ferne schwappen, &lt;br /&gt;
um die aus der Ferne Schreibende heranzuholen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem geht immer auch eine Art Lüge voraus,&lt;br /&gt;
eine Art Hoffnung, ein schleichendes Verschleiern.&lt;br /&gt;
Und Eintrübungen, Verschwommenheiten&lt;br /&gt;
die sich über jedes Bild gelegt hatten,&lt;br /&gt;
erzeugten tagblinde Bilddissonanzen, &lt;br /&gt;
prächtige Sehängste, die völlige Blindheit prophezeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blut auch, was ich aus ihren Sätzen herausgepresst hatte. &lt;br /&gt;
Ohne Ekel noch Lust, es aufzuschlürfen,&lt;br /&gt;
es war so abstrakt, so kalt, so klebrig, so unnachahmlich nicht ich.&lt;br /&gt;
Wäre es heiß gewesen, wär es augenblicklich&lt;br /&gt;
auf mich übergesprungen, mit einem Bilderregen.&lt;br /&gt;
Fraglich, ob ich mir diese fundamentale Nässe&lt;br /&gt;
je gewünscht hatte, auch nicht während der Operation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Blut hatte ich die Zeit gedehnt,&lt;br /&gt;
aber auch schrumpfen lassen.&lt;br /&gt;
Ich konnte es in meiner Faust zusammendrücken &lt;br /&gt;
zu unsichtbaren Blutmännchen,&lt;br /&gt;
auch Blutwürfel, Blutkegel, die tanzten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Frau war zuerst nur ein Foto gewesen, &lt;br /&gt;
immer wieder zwischen Versen aufgetaucht,&lt;br /&gt;
mit dunkel geschminkten lachenden Lippen. &lt;br /&gt;
Ich hatte sofort ihren sehr blauen Augen vertraut, &lt;br /&gt;
der ein wenig verwischten Augenumrandung,&lt;br /&gt;
den zum Kinn hin gebürsteten Haarspitzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war ihr geneigter Kopf,&lt;br /&gt;
der mein Blut stoppen konnte, die bloßen Schultern,&lt;br /&gt;
die Andeutung eines starken Willens &lt;br /&gt;
zur Umwölbung aus der Ferne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie lag auch auf einer Couch, &lt;br /&gt;
nicht mit mir, einem nackten Tätowierten, &lt;br /&gt;
der niemals ich sein könnte; &lt;br /&gt;
ich bin ein Blutmann, kein Tattoomann, &lt;br /&gt;
keiner mit Hautverwandlungsphantasien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann so klein und kleinmädchenhaft&lt;br /&gt;
mit aufgestützten Armen im Schlafanzug&lt;br /&gt;
nach rechts blickend hin zu dieser Figurenkontur,&lt;br /&gt;
in die ich nie hineingepasst hätte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte sie gebraucht zur Niederhaltung der Angst,&lt;br /&gt;
die in mir aufstieg unter dem grünen Papiertuch,&lt;br /&gt;
wo mich der Bluttransport in meinem Körper ängstigte,&lt;br /&gt;
wo ich mich als allgemeine Blutquelle erfuhr,&lt;br /&gt;
während die draußen an mir herumwerkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem linsenlosen Moment, im Gleißen,&lt;br /&gt;
das nicht zu vermeiden war,&lt;br /&gt;
war dieser Satz plötzlich nicht mehr gültig:&lt;br /&gt;
Wir glaubten an das Blut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das eine Wir hatte einen Gips am Fuß,&lt;br /&gt;
der nur maximal Dreiviertelschritte erlaubte;&lt;br /&gt;
das andere lag da und dachte nur: &lt;br /&gt;
Schluß damit, kein solches Licht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(2014)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
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    <title>DZL-08 GOLD, GLANZ, HEITERKEIT</title>
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    <description>sie sagt, ich bin älter als mein Vater, &lt;br /&gt;
als er zu Gold wurde, womit sie vielleicht &lt;br /&gt;
seine Kostbarkeit meint, die er sich vorher&lt;br /&gt;
nicht verdient hat. Sie hat sie ihm nicht gegönnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nie an Glanz, Heiterkeit, Tanz und Beruhigung geglaubt,&lt;br /&gt;
wenn er ihr aus seiner erstaunlichen Entfernung&lt;br /&gt;
wieder an die Haut gerückt ist. Ihre Haut&lt;br /&gt;
deutlich älter geworden, die Adern herausspringend,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
helle Dellen, Bluttupfen. So hat sie ihren Vater&lt;br /&gt;
nicht in Erinnerung. Nie kam er ihr physisch nahe,&lt;br /&gt;
Sie hat das aus dem Gedächtnis gelöscht.&lt;br /&gt;
Seine Haut auf der ihren, ihre plötzliche Einsicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er ist ein anderer, so nahe, so nah dem Gold.&lt;br /&gt;
Sie wollte seine Knochen nicht spüren, nichts&lt;br /&gt;
über seine Gichtfinger wissen, den Schmerz,&lt;br /&gt;
den er mit Mühe verdrängt hat. Gold auch die Augen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit denen er ihr noch immer unter die Lider schaut.&lt;br /&gt;
In der Dunkelheit, wenn in ihren Augen etwas &lt;br /&gt;
aufblitzt, sein Gold; und der goldene Laut&lt;br /&gt;
seiner Stimme. Vielleicht ist sein Pfeifen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch hörbar. Vielleicht sollte sie selbst nach ihm&lt;br /&gt;
pfeifen, vielleicht auf ihn. Vielleicht sollte&lt;br /&gt;
sie nicht an seinen Nacken denken, &lt;br /&gt;
den sie gar nicht wahrgenommen haben will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt denkt sie einen Augenblick an Schlachtvieh,&lt;br /&gt;
an dessen Tod er angeblich nicht beteiligt war.&lt;br /&gt;
Schweine nur aufgehängt, schon in blutleere &lt;br /&gt;
Hälften geteilt, und er ein fleißiger Zerfleischer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nie irgendetwas Blutgetränktes an ihm, immer &lt;br /&gt;
gewaschen ins Zimmer getreten, immer so karg &lt;br /&gt;
sein Dasitzen und verborgen, wenn er sich &lt;br /&gt;
eine Entscheidung abrang. Als Kind sieht man nur &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Schmutz auf den Schuhn, die Hosenbeine, &lt;br /&gt;
den Schurz, den Hut, die Schwielen auf der Hand, &lt;br /&gt;
die sich von selbst zu bewegen scheinen.&lt;br /&gt;
Der Vater als ganzer Mann erschien ihr erst viel später,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eigentlich immer aus der Entfernung, als sie schon&lt;br /&gt;
Stadt und Land verlassen hat. Er lud keine Schuld&lt;br /&gt;
auf sich, ihr auch keine auf, auch wenn sie sich&lt;br /&gt;
schuldig fühlen wollte und Schuld aus ihrem Wortschatz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
strich. An seinem Leben nur am Rand beteiligt, &lt;br /&gt;
so wollte sie sich definieren: als vom Vater&lt;br /&gt;
völlig losgelöst, der ihr keinen Auftrag geben konnte,&lt;br /&gt;
wenngleich sie nur diese eine Spur vor sich hatte,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sich nicht und nicht zeigen wollte. Es war dieses Gold,&lt;br /&gt;
das irgendwann durchschien, dessen erstaunliche Kostbarkeit,&lt;br /&gt;
die sich langsam erhärtet hat, zugleich als Mischung &lt;br /&gt;
von Zärtlichkeit erkannt und Weckruf&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Donnerstag, 25.12.2014, 8.17 Uhr)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erschienen in: &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/zarte-Leib-E-RICHTER/dp/3902951125/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1430998757&amp;sr=1-1&amp;keywords=e+a+richter+der+zarte+leib&quot;&gt;Der zarte Leib, Edition Korrespondenzen, 2015&lt;/a&gt;)</description>
    <dc:creator>e.a.richter</dc:creator>
    <dc:subject>Der zarte Leib</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2014 e.a.richter</dc:rights>
    <dc:date>2014-12-25T12:00:00Z</dc:date>
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