DZL-18 DAS BETT

das Bett, das alles verraten wollte
und nichts verriet: nichts über die Lampe,
die sich über die sieben Polster
hinwegbog, neben denen ich, dicht

an die Mauer gepresst, oft unvermittelt
einschlief. Nichts über die Herkunft der Polster,
die sich schnell von selbst auftürmten,
links neben dem Kopf, Lichtschutz,

zugleich durchscheinend für all das Licht,
das die ganze Nacht draußen brannte.
Nichts über den Tag, der zur Nacht
gemacht wurde, ungefragt, ohne Groll:

alles, was in die Vergangenheit wies,
hatte da in Ordnern, Mappen sich angehäuft,
auf Disketten, Festplatten und Sticks:
so oft unzugängliche absurde lokale Poesie.

Diesen Raum konnte ich mir
jederzeit umschnallen. Er konnte mir
den Atem nehmen, mir ein ausgelagertes
Gedächtnis vorspiegeln, Stufen,

die in Gänge, Gewölbe hinabführten,
Tische, die sowohl der Niederschrift
als auch weiteren Lagerung dienten,
Fensterbretter, auf denen sich Mitbringsel

aus allen Weltgegenden ansammelten.
Es konnten auch jederzeit neue Tuchenten
und Decken auftauchen. Sie konnten blank
oder voller unvorhersehbarer Verse sein,

gedruckten, auch handgeschriebenen,
die sich von selbst vorlasen,
und zwar mit meiner eigenen Stimme,
über die sich dann fremde Stimmen legten.

Bett unter mir, auch zu beiden Seiten.
Zu manchen Zeiten eine Art Seidenhimmel,
wenn ich aufblickte, der allerdings nie
die Farbe des natürlichen Firmaments annahm.

Bett, so nah wie die staubtrockenen Leintücher,
Tücher überhaupt, schwarzen Hemden,
alles Schwarze und Rote, die Bluttaten,
die Wundmale, der Nabel, das Geschmeide

(2014)

(Erschienen in: Der zarte Leib, Edition
Korrespondenzen, 2015
)

(Rezension: fixpoetry)

(Rezension: Literaturhaus Wien)

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