T-01 TATIANA

Man sitzt beim Essen. Man macht völlig unbedachte Bewegungen, automatische, nicht nur, wenn man ißt. Die Zeit läuft ab, alles ereignet sich, nur wenn man Zeuge ist, ist es glaubwürdig.

Man sitzt, man schaut auf die Leute, diejenigen, die hereinkommen, auf jene, die hinausgehen. Fremde, die kommen und gehen. Dazwischen essen sie, hastig, nebenbei, im Gespräch, mit einem abwesenden Gesicht. Man denkt noch nicht daran, daß man unter dem Tisch etwas finden wird, vielleicht einen hinuntergefallenen Schal, eine zertretene Rose, eine halbleere Streichholzschachtel.

Doch auf einmal erscheint etwas im Augenwinkel, man hat das nicht erwartet. Man bückt sich, nimmt es, ohne zu denken. Man schaut sich verstohlen um, ob einen jemand dabei ertappt haben könnte, man ist beunruhigt. Neugier, die Sucht nach dem Unbekannten, die Erregung über das noch zu Entdeckende überwiegen.

Hätte ich es liegen lassen sollen? Wäre es richtig gewesen, den Fund dem Restaurantpersonal übergeben? Würde ich Hinweise auf den Besitzer oder die Besitzerin bemerken und dann Kontakt aufnehmen?

(29.12.2006)

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„...Dies ist der Versuch eines komprimierten Familienromans, zugleich ein Reisebericht, der an einen Ort führt, wo die Kriegsschäden an den Menschen und deren Behausungen noch unverhüllt sichtbar sind. Lena und Stefan, von den gegensätzlichen Seiten der Geschichte kommend, unternehmen, sich zwischen Überlebenden und deren Nachkommen bewegend, einen Versöhnungsversuch...“ (Klappentext)

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