0010 -DIE WIRTIN

1

Hinter der zugefallenen Tür
mag ein zugefrorener Teich sein,
darauf etwas Spitzes, tanzend.

Die Wirtin kehrt bald zurück,
in den Augen grüne Scherben,
im Mund den Aufprall von Flaschen.

Das Geld, das sie reicht, trieft
von verborgenen, tiefen Schnitten.
Ihre blaue Brust ist höher geworden.

Die Rehböcke ihrer Träume
erscheinen plötzlich, fragend;
den Arbeitern glaubt sie nichts.

2

Das aufgehäufte Fleisch,
das ihr hier seht,
wird niemals meins sein!
Dieses kleine Mädchen
ein fahles Stück Mutterhaut
mit roten, wässrigen Augen:
zu schwer für mein Leben.
Ich schüttle die Flaschen,
bin mit dem Schillern und Platzen
von Blasen zufrieden, mit dem,
was mir entgleitend zerschellt.
Die Splitter mögen euch zeigen,
wie Blut mich treibt und beweibt.
Das Mädchen trollt sich,
verschwindet im Fett einer Mutter.
Ich bleibe schlank, gläsern!
Ich hüpfe über Nacht und Au,
steige und schwebe und platze.

(Juni 1967)

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