Dienstag, 30. April 2013

FL-11 Fliege (Notizen)

Facetten 1

Als Mensch habe ich keine Facettenaugen. Ich habe auch keinen Fliegenblick. Beides kann man als Vor- oder als Nachteil auffassen.

Schreiben passiert nur hintereinander, im Tages- und Nachtrhythmus, auch wenn es von einem einzigen Grundgedanken beherrscht wird. Man kann ihn entfalten, mehr oder weniger Details hervorheben, etwas ausufern lassen, Figuren und Ereignisse zu verlebendigen versuchen, Wunsch und Realität miteinander verschleifen, Wahrheit und Lüge gegeneinander ausspielen usw.

Fliege - nicht nur das Wort - ist eine gute Leitlinie, mit vielen Verästelungen ins Unbekannte. Denen muß ich nicht sofort nachgehen. Ich kann mir vornehmen, sie später konsequent zu verfolgen und probeweise die Perspektive zu wecheln. Ein Baum, von oben betrachtet, hat eine ganz andere Gestalt als sein Erscheinungsbild vom Boden aus oder aus der Ferne.

Würde ich stracks auf ein Ziel zusteuern, könnte ich glauben, diese Linie sei gerade. Ich kenne jedoch keine gerade Linie, die zum Ziel führt. Ich lebe, auch wenn ich schreibe, in einer wirklichen Welt. Daher weiß ich, daß ich die Seitenlinien zwischendurch außer Acht lassen kann, ohne daß das schlimme Folgen hat. Allerdings bieten Seitenlinien auch Chancen, Möglichkeiten zu Einblicken, Möglichkeiten zu Chancen.

Im Prinzip will ich mir keine Möglichkeiten und Chancen verwehren, ohne aber gleich den Zickzackflug einer Fliege nachahmen zu wollen. Ich will geleitet sein, einen Suchstrahl verfolgen, ohne mich zwanghaft einer einzigen Idee zu unterwerfen.

(11. Dezember 2006, 12:31)

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„...Dies ist der Versuch eines komprimierten Familienromans, zugleich ein Reisebericht, der an einen Ort führt, wo die Kriegsschäden an den Menschen und deren Behausungen noch unverhüllt sichtbar sind. Lena und Stefan, von den gegensätzlichen Seiten der Geschichte kommend, unternehmen, sich zwischen Überlebenden und deren Nachkommen bewegend, einen Versöhnungsversuch...“ (Klappentext)

Fliege. Roman eines Augenblicks

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