Dienstag, 6. November 2012

DB-018 (6) (Vor der Durchreiche)

Vor der Durchreiche lehnt Lena in ihrer blauen Latzhose. Die damalige Lena war nackt, die meiste Zeit, nackt beim Frühstück, nackt beim Lesen und Reden. In dem Raum, den es so nicht mehr gibt, war Lena nackt seinen kalten Augen ausgeliefert, seinen heißen Ohren, seinem Erfahrungsdurst.

Seine Augen, jetzt zu Monstren geworden, starren um die Ecke, haben den bösen Blick. Stefan kann nur den einen Fleck fixieren, der vor Nichtsein blendet; in diese erfüllte, selbstgenügsame Vergangenheit blicken, aus der diese banale Gegenwart wächst.

Dieses fleischige, rötliche Gesicht. Diese randlose, spiegelnde Brille. Äderchen überall. Härchen in den Nasenlöchern. Diese eisgrauen, gescheitelten, in einem demonstrativen Schwung über die Stirn geführten Haare. Kleine, anliegende, gelbliche Ohren mit den roten, fleischigen Läppchen. Diese empfindsam vibrierenden Nüstern. Diese Querfalte am Kinn, die sich mehrmals aufspaltet. Tränensäcke, von der Brille vergrößert. Diese Speichelreste in den Mundwinkeln. Blutspritzer auf der Schürze. Geschwollene Adern an den Händen. Diese glänzende, brüchige Haut um die Finger. Diese doppelte Narbe am Mittelglied des Ringfingers. Mehl unter den Nägeln. Diese graue Hose unter der Schürze. Dieser quellende Körper unter dem gestreiften Hemd.

Etwas vorgebeugt, aber noch immer straff, verbindlich, aber mit Haltung lächelnd kann sich dieser Oskar, der Stefan so viel Vergangenheit voraushat, feinen Spott erlauben, sich in seiner augenblicklichen Banalität in Frage stellen kann, ohne an Autorität zu verlieren. Das Fleisch, sagt er mit leicht heiserer Stimme und einer angedeuteten Verbeugung, sei wohl etwas härter geworden, als er beabsichtigt habe. Er verwende, sagt er, lieber die der Kritik zuvorkommende Selbstkritik.

Und seine Frau Lydia anblickend, stellt er fest: Ihren Kochkünsten unterwerfe er sich freiwillig, an sie reiche er nicht heran; nur zu ihrer Entlastung behellige er sie und seine Gäste mit seinem Unvermögen, seinem mühsam erarbeiteten Wissen, seinen lächerlichen Tricks als Hobbykoch.

Wie immer, antwortet Lydia, sei ihr Oskar nicht nur ein Meister der Küche, sondern auch ein Meister der Untertreibung. Er sei bei weitem vertrauenswürdiger als sie, sammle die besseren Rezepte, habe sie auch schon ausprobiert, habe ja in Genf, dieser Vielvölkerstadt, immer die beste Gelegenheit gehabt, seinen Geschmack und seine Phantasie zu schulen.

Während Oskar das Fleisch serviert, die Teller vollzaubert mit dem Hinweis, die wahre Kunst sei ja hier, das Wenige viel erscheinen zu lassen, das heißt: es breit zu fächern und den Rest mit Hilfe der Vorstellungskraft so lang zu strecken, bis sich die richtigen Geschmacksassoziationen einstellen, gesteht er, er sei der Erfinder des Chefkochs Jean-Jacques Langeau, der simple deutsche Speisen mit französischen Phantasienamen geschmückt habe und die Rezepte dann alle in der Zeitung, deren Genfer Korrespondent er ist, abdrucken ließ.

Nachdem diese dann tausendfach nachgekocht worden waren, ohne daß der Schwindel aufgeflogen ist, habe er nicht umhin können, der Redaktion vorzuschlagen, den Lesern den Mann und seine Kochkunst in natura vorzustellen. Worauf man, für den Fall, daß er dazu tatsächlich aufgefordert worden wäre, zu folgender Lösung gekommen sei: Er als Oskar Lang müsse krank werden, damit er als Jean-Jacques Langeau auftauchen könne.
Zur besseren Unkenntlichmachung habe man auch das Schwarzfärben des Haupthaars und das Aufkleben eines schwarzen Theaterbärtchens eingeplant gehabt. Lydia sei sls Übersetzerin vorgesehen gewesen. Da jedoch - aus unerfindlichen Gründen - diese Einladung bis jetzt nicht ausgesprochen worden sei, verharre er weiterhin im Zustand der Vorfreude auf dieses deutsch-französische Maskenspiel.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Sonntag, 4. November 2012

DB-017 (6) (Stefan öffnet erfreut die Telefonzelle)

Stefan öffnet erfreut die Telefonzelle, muß jedoch feststellen, daß der Hörer fehlt. Deshalb wendet er sich dem Eingang der Gaststätte hinter ihm zu. Dort bevölkern erstaunlich viele Männer, die meisten bereits angeheitert, die Tische oder lehnen an der Theke, hinter der gerade der Wirt im weißen Mantel ein Bierglas nach dem andern mit wohl ironisch gemeinter Akrobatik füllt. Er sagt, er kenne nur eine Rillestraße.

Ein Telefon habe er zwar, es sei leider derzeit außer Betrieb. Die Umstehenden lachen höhnisch, und Stefan bezieht ihr Gelächter im ersten Moment auf sich. Einer tritt an ihn heran und sagt in vertraulichem Ton, doch laut genug, daß die Mitzecher ihren Spaß dran haben können: Mann, mußt du denn überhaupt telefonieren? Vergiß es, da hast ja nix wie Ärger, fahr doch lieber gleich hin zu deinem Röschen! Der Wirt korrigiert ihn sofort: Jetzt sei sichtlich kein Röschen gefragt, sondern nur eine Straße zur zeitgerechten Erreichung eines frugalen Mahls. Auf einmal greift sich der Betrunkene an den Kopf, tut, als denke er angestrengt nach: Rillestraße, Rillestraße ... ja richtig, da sei doch auch eine drüben in Friedrichshagen, dahin komme er allerdings nur mit der Taxe; Einschränkung: ein Standplatz sei nicht hier, sondern erst vorm Bahnhof Köpenick.

Um nicht wieder einem Fußmarsch ausgeliefert zu sein, stellt sich Stefan zur Endstelle der Straßenbahn. Das Wartehäuschen ist ziemlich desolat, die Wände sind beschmiert, der Verputz liegt auf dem Boden. Sein Blick muß feindlich gewesen sein, denn einer der beiden hin und her schlendernden Männer - der im alten, hellbraunen Ledermantel, zu dem er auf dem Kopf einen eleganten, breitkrempigcn Hut trägt - bleibt kurz stehen, um ihn eindringlich auf den Zusammenhang zwischen dem akuten Arbeitskräftemangel und dem schlechten Zustand der Gebäude hinzuweisen.

Stefan nickt und lächelt verbindlich. Der Ledermantelmann biedert sich über das Gleis hinweg mit dem dort Wartenden an: Das ewige Huhn gehe ihm schon auf die Nerven. Einmal was anderes zu den Feiertagen, antwortet der von drüben, da helfe nur Truthahn. Der, den er schon seit Tagen esse, der sei prima. Aber seine Angetraute, die Elsa, ja, die sei auch eine prima Köchin.

Die Weiterfahrt mit dem Taxi führt Stefan an einem weißen Schloß vorbei, das jetzt als Kinderkrippe dient, und einer weitläufigen Yachtwerft am Ufer der Müggelspree. Von außen sagt ihm das gelbliche Haus in der Friedrichshagener Rillestraße überhaupt nichts. Obwohl sich schon im Treppenhaus eine dunkle Erinnerung meldet, ist er sich erst ganz sicher, als ihm Oskar, der in seiner weißen Schürze kleiner und fester aussieht als auf den Fotos von Lena, leibhaftig öffnet.

Die Wohnung ist nicht wiederzuerkennen. Anstelle der früheren gediegenen Sachlichkeit beherrschen jetzt dicke Wollteppiche, Blümchentapeten und Fertigteilmöbel das Bild. Aus dem Schlafzimmer von damals ist ein Eßplatz geworden. Das Doppelbett ist verschwunden, eine Zwischenmauer eingezogen worden.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Samstag, 3. November 2012

DB-016 6 (Von seinem ersten Gang)

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Von seinem ersten Gang über den Alexanderplatz bringt Stefan nur einen Blick auf vielleicht dreißig in sauberer Reihe marschierende Sowjetsoldaten mit und den Text auf einer Tafel hinter der Fensterscheibe der Bahnaufsicht: Wir Eisenbahnerinnen und Eisenbahner/ des Bahnhofs Alexanderplatz/ kämpfen um die Anerkennung/ als Bereich der vorbildlichen Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit.

In Köpenick verläßt er die S-Bahn, mit der Absicht, ganz seinem Ortsgedächtnis gehorchend, zu Fuß die Wohnung Oskars rechtzeitig vor dem Mittagessen zu erreichen. Die Volksbuchhandlung, das Warenhaus, in dem er mit Lena mehrmals eingekauft hat, die Anmeldestelle der Volkspolizei, wohin er sie drei Tage nach ihrem Kennenlernen vor zweieinhalb Jahren begleitet hat - alles scheint auf den richtigen Weg zu deuten.

Nach einigen hundert Metern müßte er die Durchzugsstraße verlassen und zweimal nach links gehen. Er würde dann auf die Rillestraße stoßen, wo Oskar wohnt. Doch Stefan findet keinen markanten Punkt, kein Gebäude, das ihm die Richtigkeit seiner Annahme bestätigt. Die Straße scheint außerdem breiter zu sein als diejenige, die er in Erinnerung hat.

Auf ein Clara-Zetkin-Studentenheim, das einen Pförtner sucht, folgen größere und kleinere Wohnhäuser, die ihn weiter verunsichern. Als dann zu beiden Seiten ein schütterer Nadelwald erscheint, tröstet sich Stefan mit der Hoffnung, daß er sich nur aus der falschen Richtung seinem Ziel annähert. Wenn er dieses Zwischenstück überwunden hat, wird das Bekannte zunehmen.

Zu seiner Beunruhigung zeigt sich niemand, den er fragen könnte. Eine einsame Fußgängerin mit Hund, nicht einmal in Rufweite. Ab und zu ein Auto, und nur ein einziges Mal eine klirrende Straßenbahn. Danach wieder eine für den späten Vormittag geradezu gespenstische Ruhe.

Nach einer langgezogenen Biegung endlich wieder Häuser. Schräg gegenüber der Endstelle des 82ers entdeckt Stefan ein Schild mit der Aufschrift Rillestraße. Erleichtert schreitet er an den Zäunen entlang, bis er bemerken muß, daß die Straße plötzlich zuende ist, ohne daß er die Nummer, die er sucht, vorfinden konnte.

Von einem Mädchen, das aus einem der Einfamilienhäuser zum Tor hin einem Ball nachläuft, will er wissen, ob denn die Rillestraße eine Fortsetzung habe. Aber das Mädchen blickt ihn entgeistert an und trollt sich schnell zum Haus zurück, ohne den Ball aufgenommen zu haben. Stefan wiederholt seine Frage mit lauter Stimme, worauf das Mädchen, sich halb umdrehend, zwischen den Lippen hervorpreßt, das sei die ganze, und sich dann sofort hinter der Eingangstür verdrückt.

Stefan hat nur eine einzige plausible Erklärung: Es gibt eine zweite Rillestraße. Trotz der Blamage beschließt er, Oskar anzurufen, bei dem Lena ja schon angekommen sein müßte. Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße beladen zwei Männer einen Kombi. Aber sie können Stefans Markstück nicht wechseln. Einer hält Stefan eine 20-Pfennig-Münze hin und meint, mit einem Seitenblick auf den westlichen Steppmantel, das sei ein Geschenk eines hiesigen Werktätigen im Dienst der Völkerverständigung. Er grinst dabei, sein Kollege versetzt ihm einen Klaps gegen die Schulter.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Freitag, 2. November 2012

DB-015 (5) (Stefan schließt die Augen)

Stefan schließt die Augen und sagt, er warte jetzt auf einen Schuß, auf mehrere Schüsse. Gleich danach entziehe ich ihm meine Füße und höre ihn mögliche Motivationen aufzählen. Oder, schließt er seine Überlegungen, er erschießt ihn, weil er ein Kryptokommunist ist.

Es kommt jedoch anders: Er muß Michel anstarren, wie er in der Küche seiner weitläufigen Villa ein Kaffeehäferl hält, das letzte Blut aus einem Häschen pressend. Ausbluten, sagt Stefan, er hebt seinen Kopf, weil ein Schweißer gestolpert ist und 30 Stockwerke hinunterfällt, Ersatzopfer für Jacques, und Stefans Schwanz sticht unerwartet steil in meine Arschfurche. Stefan streicht mir über den Bauch und nähert seinen Atem meinem Ohr.

Wie er als Bub seinem Großvater beim Fellabziehen geholfen habe, wie ihm vorm bläulich-rosafarbenen Fleisch des Hasen, seinem warm-süßlichen Geruch fast übel geworden wäre: Daran denke er jetzt, wo vor seinen Augen der Kapitalismus den Schweißer bei lebendigem Leib gehäutet habe. Der habe seinem Leben bewußt ein Ende gesetzt: fünf Sekunden Sturz, Funkenregen, kurz gleißendes Licht und das Knattern der Stromstöße. Oben sei er Handlanger gewesen, unten der leblose Sieger, sofort durch die gierig Nachdrängenden hinter heruntergeklappten Schweißerbrillen ersetzt.

Ich kann jetzt schwer die Wirklichkeitsschichten auseinanderhalten: vor mir das schwarz-weiße Geflimmer, wo ein dunkler, flackernder Fleck einem anderen ebensolchen Fleck den Befehl erteilt, endlich mit ihr (also der Cardinale) ins Bett zu gehen; hinter mir die zunehmend feuchte Hitze, die sich auf meine schlaffen Glieder, meinen auf- und abwogenden Willen legt. Dort vorn wehrt sich einer mit der Attitüde der Hilflosigkeit, die nach Hilfe schreit, gleichzeitig den Ansatz jeglicher Hilfe erstickt. Hinter mir saugt einer meine Nackenhaare in seinen Mund, kaut sie.

Soll ich meine Augen verschließen vor den Ereignissen vor mir und mich blitzschnell umdrehen? Bin ich dann dem hinter mir Objekt seiner Phantasien, die ihn immer eindeutiger das einzige nächtliche Ziel ansteuern lassen, ohne daß ich mir vorher annähernd Klarheit über meine Augenblicksbedürfnisse verschaffen konnte? Wird der hinter mir, ohne Widerstand in mich eindringend, mich als noch immer unverhüllt Traurige, unverhüllt Unentschiedene ertappen?

Du weigerst dich, diese Fragen jetzt zu beantworten, und starrst fasziniert auf eine Dame in teuren Fetzen, eine goldkalt Berechnende, eine sich im Anbieten Zurückziehende, eine im Zurückweichen Aufklaffende. Du siehst die Cardinale unter einem klebrigen Zuckerguß. Du siehst einen Baulöwen, der zugleich Abgeordneter ist, und eine französische Schlagzeile, die Stefan mit schwacher Stimme eindeutscht.

Endlich siehst du alle drei in einem Raum. Und die Cardinale hebt ihre Pistole, richtet sie auf Michel, der langsam auf sie zugeht. Du siehst, wie sie die Pistole plötzlich gegen sich kehrt, mit verzerrtem Gesicht etwas Furchtbares schreiend. Du siehst den jetzt stehenden Michel, der von einem Geräusch abgelenkt wird, das von links hinten kommt, wo der Umriß der Gestalt von Jacques zu erkennen ist. Und heraus schiebt sich der Umriß einer Waffe, aus deren Mündung mehrere Schüsse zischen. Du siehst, daß die Cardinale an die Wand geklatscht wird, daß sie zu Boden sackt. Und Michel klopft Jacques bewundernd auf die Schulter. Und Jacques erhebt sich und küßt Michel auf den Mund. Und beide beginnen sich zu verrenken, und aus ihren Verrenkungen wächst ein grotesker Tanz, ein Gezucke, lustloser Jubel, behinderter Triumph. Du siehst, wie sie sich auf uns zubewegen, in Hüfthöhe unscharf werden. Und der Mann hinter mir atmet, als wäre er bereits eingeschlafen.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Donnerstag, 1. November 2012

DB-014 (5) (Jetzt sehe ich mich abgestumpft)

Jetzt sehe ich mich abgestumpft, was meine Erwartungen anlangt. Du sagst, ich habe gelernt, meine Bedürfnisse zu zerstückeln. Du sagst, ich habe mich an Trennungen gewöhnt. Oskars Nähe wirft mich nicht aus dem Bett, macht mich weder heiß noch neugierig. Du sagst, das ist meine lebensrettende Zensur.

Trotzdem fühle ich mich ausgesetzt, verbiete mir weitere Vergangenheitsbilder und freue mich über die Rückkehr Stefans, der - animiert von seiner Nachtschwärmerei - in den Raum platzt, als hätte er etwas getrunken, und sich auf meine Beine plumpsen läßt. Um nun doch nicht in Gefahr zu geraten, mein Herzweh nach außen zu lassen, bitte ich ihn, den Fernseher anzudrehen. Er gehorcht, obwohl er sich für gewöhnlich über meine Fernsehfluchten zuhaus das Maul zerreißt.

ARD, Tagesschau. Der ungewohnte Luxus von fünf Programmen, sagt er süffisant und bleibt dann, um einem ihn langweilenden Hollywood-Schinken vorzubeugen, bei einem französischen Film, bezeichnenderweise mit dem Titel Gefährliches Spiel von Ehrgeiz und Liebe hängen, mit Claudia Cardinale und Michel Piccoli.

Stefan wühlt sich in meine Nähe, und ich nütze die Gelegenheit, um meine noch immer eiskalten Füße zwischen seine Waden zu stecken, worauf er zwar schaudernd zurückzuckt, dann aber doch zu meinen Zehen greift und sie zwischen Zeigefinger und Daumen massiert.

Noch ist nichts klar im Film. Während einer sich beklagt, daß ihnen weder die Macht noch das Geld noch die Arbeiterklasse heilig sei, stellt der andere trocken fest, daß die Leute (trotz des Komforts, den man ihnen bietet) noch immer kommunistisch wählen. Der eine, Jacques, ist jung, der andere, Michel, alt. Der eine, anscheinend der Widersacher des andern, steht plötzlich auf dem Plateau eines Hochhausrohbaus, zitternd vor Angst, als er einen Blick hinunter wagt. Hinter ihm, mit kaum verhohlenem Triumph, Michel, der ihn zwingt, noch näher an die Kante zu treten und die Tiefe des Abgrunds zu ermessen.

Ist das eine Vorausdeutung auf die Zerschmetterung des Jungen? Oder ist es eine Irreführung der Erwartungen der Zuseher? Kehrt sich die Geschichte um? Sind überhaupt Überraschungen vorgesehen? Handelt es sich um ein Dreieck, das sich aus einer äußerst kurzen Geraden jäh aufbauscht? Ich drehe mich so, daß Stefan hinter mir liegt und ich meine Sohlen an seine Schienbeine drücken kann.

Es geht um die Klischees und ihre Zertrümmerung! Und nach kurzem Schweigen setzt Stefan fort: Die da oben sind mir zu reich, die können sich die tollsten Leidenschaften leisten. Schließlich, weil ich darauf nicht einsteige, fügt er noch hinzu: Das sei die wahre Koexistenz der Systeme, daß wir jetzt in Berlin-Ost in einer Wohnung, wie wir sie nie besitzen würden, vor einem Ost-Gerät lägen , um uns einen West-Film anzuschauen, ungeschützt-sehnsüchtig.

Als dann Michel mit einem Gewehr im Garten herumläuft, vor ihm Jacques, der vermeintliche oder wirkliche Liebhaber der Cardinale, die sich hier als seine Frau geriert, ist völlig klar geworden, daß der mit ihr eigentlich gar nicht schlafen will.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Mittwoch, 31. Oktober 2012

DB-013 5 (Ich räume die Koffer aus)

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Ich räume die Koffer aus, versuche, die mitgebrachten Sachen möglichst unauffällig im Kasten neben dem Fenster zu verstauen, bemühe mich, sie in die Ordnung der Gastgeber einzupassen, eine Anstrengung, die etwas ganz anderes überdecken soll: Ich will den Sog nicht spüren, den diese plötzliche Nähe zu Oskar auslöst; diese Unruhe, für die es eigentlich keinen Anlaß geben sollte.

Weil mich friert, schlüpfe ich in einen Pullover und verkrieche mich im Bett. Wenn ich mich auf die linke Seite lege, irritiert mich mein Herzschlag. Ich umfasse meine Brust, taste (automatisch) nach einem unentdeckten Knoten, fühle meine starre Warze, die Noppen und Haare des Hofs, presse die Füße unwillkürlich zusammen, spanne ein paarmal die Muskeln zwischen den Beinen, verurteile mich aber sogleich zur Unterlassung weiterer Reizmanöver: Die aufsteigende Wärme suggeriert Erinnerungsfetzen, die ich jetzt nicht benennen will. Aber Oskar bleibt, Oskar von früher scheint durch und bleibt.

Als ich vierzehn war, schon seit drei Jahren menstruierend, voller Schulhaß, voll brennender Vaterliebe, noch immer, da ist Oskar, mein Onkel, zum ersten Mal aufgetaucht. Ich war perplex, hingerissen - ein Mann, der aussieht wie mein Vater und doch ein ganz anderer ist. Er ist zu einem Mittagessen zu uns gekommen, samt Frau, und wie er da saß, so freundlich, so lieb und mild, konnte ich mich an ihm gar nicht sattsehen, sattfühlen.

Der Gegensatz zu meinem Vater ist mir so ins Auge gesprungen, ins Herz, wo ja dieser sich breitmachte mit seiner gewalttätigen Liebe, seinen schneidenden Befehlen, die er immer mühelos in einen ursächlichen Zusammenhang mit seinen Ängsten um mich bringen konnte. Das mußte von mir aber schon damals immer deutlicher als Lebensverhinderung empfunden werden und hat mich ständig in einen grausamen Wirbel widersprüchlicher Empfindungen gestürzt: Da hatte ich Angst, er würde sich von mir abwenden, mich verächtlich meinen Schul- und Lebensleiden überlassen, mir jedwede Hilfe verweigern; zugleich litt ich auf das Entsetzlichste unter seiner Herrschsucht, seinem selbstherrlichen Zynismus, seinen besserwisserischen Monologen und wußte ihnen nichts anderes entgegenzuhalten als meine Wutausbrüche, meine Selbstverletzungen.

Dagegen jetzt diese lächelnden, alles versprechenden Augen seines Bruders. Ihn konnte ich ohne Angst lieben, und in diese Liebe steigerte ich mich in der kurzen Woche, die er blieb, so hinein, daß ich gar nicht an seinen Abschied zu denken wagte. Und als er schließlich doch dastand und die Arme ausbreitete, rannte ich hinaus, hinüber in mein Zimmer, und versteckte mich in meinem Kasten hinter den Kleidern.

Wie hätte ich Zeugin seines Abwendens sein können, wie hätte ich das Geräusch der zufallenden Tür ertragen können? Dem zog ich dieses tränenlose, bittere Zuwarten in der Dunkelheit, eingehüllt von Stoffen, die nach mir rochen, dieses stumme Verharren im Schmerz vor. Wenn ich schon den mir unverständlichen Entschluß zur Abreise nicht verhindern konnte, so wollte ich doch in einer verzweifelt-trotzigen Aufwallung demonstrieren, welchen Verlust ich erlitten hatte.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Dienstag, 30. Oktober 2012

DB-012 (4) (Diese penible Demonstration)

Diese penible Demonstration von Vorsorge läßt Stefan plötzlich erschlaffen. Lena soll die Botschaft dieses Mannes, der sie wie ein gewalttätiger Schutzengel vorm Untergang in den Gefahren des DDR-Alltags bewahren will, zu ihrer Belustigung deuten. Er läßt sich im Schlafzimmer aufs Bett fallen. Eine Art Trauer über das Wegsein vom Gewohnten und das Noch-Nicht-Da-Sein im Ungewohnten überfällt ihn. Den Sinn dessen, was ihm Lena nun vorliest, erfaßt er mit einer gewissen Verzögerung. Vom Wortklang hervorgerufene Assoziationen schieben sich dazwischen.

Zahnputzbecher - was ist das? Wäscheschleuder - wer schleudert wen wohin? Was ist das für eine unbekannte extraterrestrische Sprache? Schleuderbecher, Schleubedecher, er versteht nicht, er brüllt den plötzlichen Sinnschwund hinaus.

Aber Lena bleibt ungerührt. Sie findet Stefans Unernst kindisch und unangebracht. Um wieder zur vernünftigen Aufmerksamkeit zurückzukehren, sucht er nach einer passenden Frage und findet sie, durch einen Blick auf den offenen Kasten: Der Wäschemann, wann kommt denn der Wäschemann?

Damit ist Lena überrumpelt. Sie muß wieder Götz zitieren, der beweist, daß er an alles gedacht hat: Der Wäschemann? Montags früh um sieben. Ihm müsse man den Wäschesack samt dem obendrauf liegenden Zettel überreichen und ihn kurz darüber aufklären, daß die Wohnungsbesitzer nicht ermordet, sondern nur bis zu Silvester an die Ostsee verreist seien.

Dann fordert Lena Stefan auf, sich doch noch - er soll sich nicht zieren, sie weiß ja, wie ihm zumute ist - einige Eindrücke vom nächtlichen Berlin zu geben. Daher wirft er sich in seinen Mantel, schnuppert hinaus in die Düsternis der Berliner Braunkohlen- und Gaslichtluft und tastet sich zwischen den S-Bahn-Geleisen und meist einstöckigen, villenartigen Häusern, schwarzen Blöcken mit einigen hellen Vierecken, in denen Christbäume aufblitzen, über einen holprigen, teilweise mit Steinplatten bedeckten Weg von einer Straßenlaterne zur andern.

Als Stefan einige Schatten redend und lachend sich nähern hört, wechselt er sofort über die unebene Pflasterstraße zur anderen Seite hinüber und verfolgt dort den ausgetretenen Pfad entlang der Lagerschuppen weiter bis zu der vier Fahrspuren breiten Hermann-Duncker-Straße, deren Namensgeber inmitten eines kleinen, kahlen Parks als schwarzes, lebensgroßes Standbild ohne Sockel in vorwärtsschreitender Pose vor ihm steht.

Stefan überquert die Straße, indem er neben der Litfaßsäule vor der S-Bahn-Unterführung unter dem Sperrgeländer durchschlüpft. Drüben, neben dem Filmtheater »Vorwärts«, lungern vorm Café gleichen Namens Jugendliche, Pärchen, sichtlich voller Ungeduld über die Verzögerung des Einlasses.

Der Fahrkartenschalter des S-Bahnhofs ist nicht besetzt. Beim Automaten löst Stefan einen Fahrschein der Stufe 2. Er ist aus dünnem Papier und verklemmt sich, wie ihn Stefan in den Schlitz des Entwerters schieben will.

Als Stefan am Bahnsteig ankommt, fährt gerade eine S-Bahn ab. Er beschließt, in Bewegung zu bleiben, dem kalten Luftzug die Stirn zu bieten, indem er die geschlossenen Zeitungskioske mehrmals umkreist. Im Windschatten versucht er sich klarzuwerden, ob er jetzt überhaupt noch ins Zentrum fahren soll.

Aus dem Zug in Richtung Königswusterhausen steigen nur wenige Leute, die ihn nicht beachten. Stefan reibt sich die Hände, was eine kurze Wärme erzeugt, zugleich den Impuls, sich in die Vergangenheit zurückzuprojizieren oder nach vorn in die Zukunft auszuschwärmen. Er entscheidet sich fürs erste: Er beharrt auf einem erkennbaren Anfang dieser Lebenslinie, die er jetzt verfolgt.

Der erzwungene Anfang als Motiv für die folgenden Handlungen. Die folgenden Handlungen unter der Hut des Anfangs. Alle Abschweifungen lassen sich als Irrwege denunzieren. Ab einem gewissen Punkt leuchtet ein guter Stern. Das Licht ist gering, aber es reicht aus, um die weiteren Stationen zu erkennen. Diese dienen dazu, die Ermüdungserscheinungen zu relativieren.

Jetzt ist er endgültig bei Lena angelangt, einem Anfang, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Der Anfang Lena steht stabil vor dem dahinterliegenden Leben. Hinter Lena zu blicken wäre mühsam und unsinnig. Im Moment genügt ihm das Wohlgefühl, das dieser Erkenntnis entspringt. Es läßt ihn schlagartig an eine Rückkehr denken.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Montag, 29. Oktober 2012

DB-011 (4) (Blackout, Blackout)

Blackout, Blackout. Auf einem Abhang vor Schloten üben zwei Burschen Karate. Auf einem Fußballfeld zwischen Wohnsilos spielt Blau gegen Rot. Auf einem Fluß schweben schwerbeladene Kähne zum Zentrum. Der Himmel schickt aus einer barocken Wolkenzusammenballung ein blendendes Strahlenbündel auf den Zug. Zugleich signalisieren die Schienenfugen die immer langsamere Annäherung ans Ziel.

Am Wechselschalter des Ostbahnhofs wachsen aus einem österreichischen Tausender mehrere DDR-Zwanziger und leichtgewichtiges Kleingeld. Es reicht, um mit einem Taxi, über Querrillen humpelnd, durch Wasserlacken patschend, zu einem einstöckigen Haus chauffiert zu werden, der Villa der Frau König, die aus ihrer Dachgeschoßwohnung ungeniert auf die Ankömmlinge herabblickt, erkennt, was sie sind: zwei Westler, ein großer Brünetter mit blonder Strähne, bekleidet mit einem schwarzen, westlichen Steppmantel, eine deutlich ältere, einen Kopf kleinere, schwarzhaarige Frau in einer Hasenfelljacke, mit einem langen Schal in Rot- und Violett-Tönen um den Hals, jetzt beide zwei eindeutig westliche Koffer und Taschen in ihr ehemaliges Besitztum schleppend, das sie nun seit mehr als einem Jahrzehnt mit Lenas Verwandten, Götz und Beate und ihren beiden Söhnen, zu teilen hat. Eilfertig erwartet sie die beiden im Flur mit den zurückgelassenen Schlüsseln und beobachtet Stefans Aufsperrversuche, bis Lena die Geduld verliert und mit einem einzigen Dreh die Tür öffnet.

Während Stefan das Gepäck in die Wohnung transportiert, betritt Lena das Wohnzimmer und starrt in den fast leeren Raum, wo die wenigen Gegenstände so angeordnet sind, daß jeder Schritt, jede Kopf- und Armbewegung Symmetrien und Kontrapunkte zerstören muß. Trotzdem schleicht sie sich auf dem dunkelglänzenden Parkettboden weiter zum Schlafzimmer, schließt die Kastentüren auf, staunt über die weiße Glätte des Bettzeugs, über die scharfen Kanten der Hosen und die rechten Winkel im Pulloverstapel.

Stefan macht sich sofort an dem kleinen Schreibtisch vor dem dreiteiligen Regal links neben dem Fenster zu schaffen, mit der Ausrede, nach einer Nachricht der abwesenden Gastgeber zu suchen. Zwischen Büchern, Zeitschriften und einem Zettelkasten, in dem gelbliche Kärtchen stecken, mit grüner Tinte eng beschriftet, entdeckt er tatsächlich ein Blatt, das mit Servus beginnt, an Lena gerichtet. Als er es wegnimmt, kommen darunter einige Fotos zum Vorschein, von denen eines eine nackte Frau zeigt, mit spitzem Mund und kleinen, fanatisch wirkenden Augen, vor dem Hintergrund eines südlichen Felsstrands. Es muß Beate, Lenas Cousine, sein.

Er verbirgt das Foto wieder zwischen den andern, als sich Lena ihm zuwendet, damit sie sich nicht gleich über seine Neugier mokieren kann, hält ihr aber das Blatt mit Notizen entgegen, die Abteilungen Heizen, Schlafen, Waschen, Essen, Schnee und Sonstiges umfassend. Auf ihr Zeichen hin studiert er selbst es genauer: In großer, nach rechts ausgreifender Schrift hat Götz, der Ehemann Beates, die Leitlinien für die ersten Tage der Gäste in seiner Wohnung fixiert.

Beate hat nur ein paar Zeilen angefügt, mit denen sie vor allem vor dem Betreten des Arbeitsraums von Götz - er befindet sich in der Veranda - mit dem Hinweis auf eine gewisse Empfindlichkeit warnt, was aber Stefan nicht hindert, den Raum zu begutachten. Er ist vom Wohnzimmer durch eine weißlackierte Holzwand abgetrennt, die ab Hüfthöhe in ein kleinteiliges Fenstergerüst übergeht, durch eine Doppeltür mit ihm verbunden. Eine günstige Position: Man kann sowohl die Straße als auch die Wohnung kontrollieren und als Arbeitender von draußen und drinnen wahrgenommen werden.

Stefan überfliegt die Zeichenblätter, die Farben und Pinsel, die zusammengerollten Plakate, die Skizzen an den beiden Stirnwänden - Filmplakate, Verpackungsentwürfe, hingeworfene Covers - und konzentriert sich dann wieder auf den Brief, in dem die Rede von vier Heizmöglichkeiten ist: erstens die Gasheizkörper, die aber nur bis null Grad Außentemperatur reichen; sollte es kälter werden - zweitens -: Greif zur Kohle hinteren Vorhang in der Küche, die - drittens - mit Strom geheizt wird, vor dessen Benützung aber mit dem Verweis auf die Labilität des Netzes gewarnt wird. Dafür gibt es aber - viertens - als Abhilfe einen Ölradiator.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Sonntag, 28. Oktober 2012

DB-010 4 (Elektrisch beleuchtete Weihnachtsbäume)

4

Elektrisch beleuchtete Weihnachtsbäume grüßen die Reisenden. Im Wettbewerb liegt unsere Kraft, die täglich neue Werte schafft. Weißer Dampf entweicht aus vielen Öffnungen. Ein Friedhof, dicht besetzt mit dunklen Steinen, zwischen den Gräbern Schneeflecken. Kurze, grüne Saat mit Reif darauf. Wochenendhäuschen, abbröckelnde Villen, Gärtnereien mit Plastikdächern. Eine Nebenstraße, auf der kein einziges Auto zu sehen ist. Ein Mann, der einen Leiterwagen zieht; dahinter sehr niedrige, breitbeinig dastehende Überlandleitungen. Aus dem Nebel bricht plötzlich Sonne, fleckt die Felder mit schnellen Wolkenschatten und zieht sich - weiter nordwärts - wieder zurück. In einem Föhrenwald ein einsamer Spaziergänger. Braungelbes Feld. Graublauer Horizont. Blaßgrüne Felder vor dunkelgrünen Waldrändern. Dunkle Föhrenstämme vor hellgrünem Feld. Ein Militärkonvoi, der sich langsam aus einem Wald herausbewegt, auf einen Schranken zu. Weitere Fahrzeuge - mindestens fünfzehn - auf einer Straße, die ein Stück parallel zu den Schienen verläuft.

Blackout, Blackout. Stefan, Reisender auf dem Weg zu einer als Folge des Krieges, den er nicht mehr erlebt hat, geteilten Stadt, klammert sich in der künstlichen Finsternis, die flimmert und rauscht, an Eindrücke, nachdem sie schon längst vorbeigeflitzt sind. Er liefert sich aus. Er hält sich trotzdem im Zaum. Er gibt einem immer wieder aufgetauchten Impuls nach: Der Vergangenheit will er an Ort und Stelle ins Auge schauen, in Umkehrung der offensichtlichen Neigungen Lenas. Er will sie betrachten, einkreisen, anfassen mit seiner schnell sich entzündenden Gier nach Neuem. Ihre Vergangenheit, die sie eifersüchtig hütet, umgrenzt seine Gegenwart. Sie soll sein Besitz werden, wenigstens sein Mitbesitz. Über Lenas Menschen will er sich Zugang zu ihrer verzweifelten Kraft verschaffen; ihr verzweifeltes Schweigen aufbrechen.

Er sieht eine sehr junge Lena und viele männliche Widersacher, die sich auf fernen Kontinenten, in ihren Luxusresidenzen über sie beugen, sie wachküssen, sie in Samt und Seide kleiden, ihr Muße, Abwechslung, Abenteuer, Spiel mit dem Feuer, Macht und Triumph ermöglichen. Er sieht sie mit Makeln behaftet, für die sie keine Verantwortung trägt. Ihren Verderbern will er ins Gesicht schauen und sie zur Rede stellen. Oder stellvertretend sie selbst, in der richtigen Stunde, zur Rechenschaft zwingen. Dann muß sie vor ihm ihre Erinnerung ausbreiten, ihn teilhaben lassen an jeder Liebe, die jemals in ihr entstanden ist, an jeder leidenschaftlichen Zuwendung, an jeder Verfinsterung, an jedem Verstoßungsakt, zu dem sie sich selbst verdammt hat.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Samstag, 27. Oktober 2012

DB-009 (3) (Stefan hält die Gegenstände)

Stefan hält die Gegenstände, die er aus seiner schwarzen Handtasche herauszieht, betont lässig in die Höhe und sagt dann mit etwas zu lauter Stimme: Zwei Fahrkarten (Blick auf die Beamtin), zwei Kugelschreiber, einer schwarz, einer blau (Blick), zwei Hefte. Die nimmt ihm die Beamtin schnell aus der Hand und blättert darin, während Stefan höhnisch zwischen den Lippen hervorpreßt: Ich kann Ihnen auch daraus vorlesen! Ohne auf diese Bemerkung einzugehen, klappt die Beamtin die Hefte zu und gibt sie zurück.

Was Stefan aufregt, regt mich an: Ich bin wie so oft steigerungsbedürftig. Aber Grenzkontrolle ist ein müdes Klischee, wenn nicht etwas Anstößiges, Gefährliches, die Figuren Auseinander- oder Zusammenbringendes zum Vorschein kommt, weshalb es mir nur recht ist, daß sich die Szene noch fortsetzt: Im Nebenabteil wird mein roter Koffer auseinandergenommen. Die Frau, die so männlich-unberührt tut, hat anscheinend keine Haut, sondern nur Uniformzeug, keine Augen, sondern Kontroll-Lichter, keine Gedanken, sondern tickende Paragraphenzeilen. Sie wird nun endlich belohnt für ihr oftmaliges dienstliches Bücken. Obwohl ihr dabei jedesmal die nur lose sitzende Kappe nach vorn rutscht, geht sie immer wieder, dabei den Kopf neigend, in die Knie, beispielhaft für ihren Begleiter, der errötend seine Gewissensnot signalisiert: ob er die Kappe nun aufheben darf.

Dagegen wehrt sich die Beamtin mit einem knappen Wink. Da ihre blonde Haarflut nach vorn über die blaßblauen, vor Eifer feuchten Augen schwappt, ist sie gezwungen, sich im Aufrichten diese mit beiden Handflächen nach hinten zu streifen, zugleich die nun mit den Fingerspitzen gehaltene Kappe heruntergleiten zu lassen - eine hier befremdlich graziös wirkende Geste, die mich sie amüsiert anlächeln läßt.

Bevor ich jedoch Pullover, Hosen und die Unterwäsche wieder einordnen kann, hält die Frau ihren Assistenten dazu an, zwischen die restlichen Kleidungsstücke zu greifen, worauf dieser meine dort plazierten Bücher und Zeitschriften herausfischt, darunter Bornemans „Ur-Szene", eine „Courage"-Nummer und Kate Milletts „Sexual politics".

Nachdem Stefan einen unartikulierten Warnlaut von sich gegeben hat, tritt die Beamtin auf den Gang hinaus und studiert die Fundstücke, was mich mit einiger Befriedigung erfüllt, kann ich mir doch auch einen gewissen Zwiespalt zwischen dienstlichem und privatem Interesse in ihrem Hirn vorstellen, wofür sie eine elegante Lösung findet: Sie verschwindet zur eingehenden Prüfung der inkriminierten Druckschriften und zur Beratung mit ihrem Vorgesetzten im Dienstabteil.

Und du kokettierst noch mit dieser Kuh! Stefan wirft seine Fäuste gegen die flachen Betten, droht, eine Decke mit einem einzigen Ruck zu zerreißen oder gar seine Wut an der Coupé-Tür auszulassen.

Und jetzt schlägt das Patriarchat mit ganzer Kraft zurück! Ich drücke ihn schnell aufs untere Bett und beobachte interessiert den weiteren Verlauf der sich anbahnenden Verknäuelungen.

Doch kaum löst sich seine Verspannung, kaum hat er seine Arme um mich geschlungen, baut sich schon meine Grenzfrau wieder vor uns auf, nur den Borneman in der Hand. Eine Sicherstellungsverfügung, zugleich Hinterlegungsbescheinigung für die beiden anderen Drucksachen hat sie bereits ausgefüllt bei sich. Gemäß § 5, Absatz 1, Ziffer 4 des Zollgeset-zes der DDR, das jeder Einreisende ja kennen sollte, bleiben diese am Grenzort in Verwahrung. Es sei aber ratsam, fügt sie hinzu, bei der Rückfahrt die Bescheinigung bereits in Dres-den einem mitreisenden Grenzer zu übergeben, damit sie mir rechtzeitig ausgefolgt werden können.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Freitag, 26. Oktober 2012

DB-008 (3) (Das Schlimme)

Das Schlimme kann nicht weiter ausgemalt werden, denn in Děčín steigen die DDR-Grenzer zu. Auf einen umgänglichen Vierzigjährigen, der nur die Pässe kontrolliert, folgt eine etwas jüngere Frau in blaugrauer Uniform, auf dem Kopf eine Kunstpelzmütze. Neben ihr ein sehr junges, stumm beflissenes Grenzorgan, das auf ihren Wink alle Öffnungen, Nischen und Spalten im Coupé genauestens abtastet, während sie von mir verlangt, daß ich den Inhalt meiner Handtasche vor ihr ausbreite. Ich sehe, wie Stefan sich nur mühsam beherrschen kann, zugleich jedoch erstaunt betrachtet, was da alles zum Vorschein kommt: ein schwarz-rot kariertes Brillenfutteral, ein roter Frauenkalender; und dann noch ein einfaches Plastiketui. Was darin steckt, muß ich auf der Bettdecke nebeneinander ausbreiten: Visitenkarten von Männern, irgendwelchen Zufallsbekanntschaften, die damit vergeblich einen bleibenden Eindruck hinterlassen wollten, oder alten Freunden, die umgezogen sind und mir bei Gelegenheit die neue Adresse zugesteckt haben; der Zentralsparkassen- und Kommerzialbank-Kalender, ein weißes Plastikkärtchen mit abgerundeten Ecken und orangefarbenen Strichen; die Frauenzimmer- und Z-Club-Mitgliedskarte; ein zusammengefaltetes Verzeichnis der deutschen Frauengruppen (es wird vom Organ entfaltet, aber nicht gelesen); eine Netzkarte der Wiener Verkehrsbetriebe; eine Karte mit meiner Sozialversicherungsnummer; eine (nicht ausgefüllte) Notfallkarte des Gesundheitsamtes; zwei Bestätigungen der aktiven Immunisierung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis mit FSME-IMMUN; ein liniertes A 6-Blatt, das auf der einen Seite eine Kinderzeichnung mit der Aufschrift DAS IST EIN TISCH zeigt (obwohl ein Fahrrad zu sehen ist), auf der anderen, in winzigen Ziffern, die Aufschlüsselung der Kosten einer Autoreparatur (es muß sich dabei um einen Zettel handeln, den ich einmal versehentlich, vielleicht sogar absichtlich in deiner Praxis eingesteckt habe); ein Streifen mit zwei Automatenfotos von mir, kurzhaarig und geschminkt (das war 1978 in Paris); die Vergrößerung eines Gesichts, nur Augen, Nase, Mund (die Augen geschlossen, der Mund einladend gespitzt: ein Spaß-Porträt von dir, ebenfalls entwendet); ein Papierfragment mit dem Aufdruck "Milupa Milumil sättigt", auf dessen Rückseite eine kurze Notiz zu einer meiner Übersetzungen aus dem Amerikanischen zu lesen ist; schließlich eine Schwarzweißaufnahme deines Sohnes, nackt, unter dem Gartenschlauch mit nassem Haar und Glücksaugen.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Donnerstag, 25. Oktober 2012

DB-007 3 (Im Coupé neben mir)

3

Im Coupé neben mir, fast unsichtbar in der sausenden Dunkelheit, ein völlig verschlossener, scheinbar haut- und knochenloser Stefan. Und ein Vater, der mich aus den Träumen heraus bedroht, weshalb ich (gewöhnlich doch lärmunempfindlich und schlaffähig in jeder Stellung) zerschlagen und grübelnd aufwache, schon im andern Land, dem Land Oskars, meines Onkels, dessen Wieder-Sehen, Wieder-Erkennen der Mit- oder Hauptzweck dieser Reise sein könnte. Du, meine mich überallhin verfolgende Mitwisserin, die ich immer mit mir herumtrage als Korrekturstimme und Inbild meiner Empfindungen, nur du weißt, wie sehr der Vaterbruder in mir lebt als ein wegweisender, mich vom Tod abhaltender Geschichtsüberlebender. Er hat meine Jugendrasereien überlebt, als milder, von Herzen liebender Freund, Vaterersatz, auch Bettgespiel.

Wärst du hier, würdest du mich jetzt trösten müssen, bedeutungslos machen diese Kriegszu-ckungen vorm Fenster, die verwehten Gesichter, die Todesschreie, die wie Metallzischen klingen, die Gerippe in ihren gestreiften Anzügen, die weithin verstreuten, wimmernden Körperteile. Ich stelle mir nur dich vor, lächelnd, abwinkend: Ich sollte nicht sofort unter der Decke verschwinden, in der dunkelsten Dunkelheit mich unkenntlich machen, mich nicht definieren wollen als geruchloser Geruch. Die zusammengebissenen Zähne sollte ich aufmachen ohne Scham, sollte den vorbeihuschenden Morgen wahrnehmen, Stefan, der ächzend nach mir tappt, mich flüsternd über seine Einschlafschwierigkeiten informiert, die mir nicht unbekannten Praktiken des Schlafpulverschluckens. Ich sollte mich zur Seite drehen, mich unter seinen schlaffen Armen wie ein Fötus fühlen. Suhlen sollte ich mich an seiner Körpervorderfläche, fetzige Bilder herbeiholen, vorbeizittern lassen, vor seiner Stimme meine Ohren nicht verschließen. Ich sollte mich ihm zuwenden, seinem Schnurrbart, seinem feuchten Mund, in seinen Mund hineinhorchen, heraushorchen seine wahren Absichten, Wünsche und Gefühle.

Eigentümlicherweise spricht er über die Wohnung, die wir gerade verlassen haben: Jetzt klebe er nicht mehr so an ihr wie früher, wobei er auch da nicht wirklich gefesselt gewesen sei, sondern nur nicht gewußt habe, wohin eigentlich, was denn das andere, Bessere sein würde, da er doch jahrelang geübt habe, in dieser Wohnung, in diesem winzigen Zimmer zu leben, zu überleben.
Jetzt habe er sich an das Übersehen, Überspringen der Lebensbedingungen darin schon so gewöhnt, sei im unscharfen Blick schon so geschult, verschließe automatisch alle Poren und existiere dort nur als imprägnierter, alles abstoßender Kunststoffkörper, dem es äußerst schwerfalle, diesen Zustand unter anderen Umständen zu ändern, weshalb er jeden Ortswechsel als Vorankündigung einer Bedrohung empfinde, obwohl doch eigentlich umgekehrt die Fixierung an diesen Ort die wahre Bedrohung darstelle. Einerseits sein Ekel vor dem gewöhnlichen Schrecken, der Banalität dieses Schreckens; andererseits dieser vertrackte Widerstand gegen jede Veränderung, wenn auch nur auf Zeit, der doch jede kleine Chance auf einen neuen Impuls verhindere, auf eine neue Schminke des altbekannten Schreckens.

Trotzdem kein schlechter Befund, betont er, obwohl ihm nicht einmal das Auftauchen Josefs seine Abfahrt erleichtert hätte. Schlimm sei auf jeden Fall diese völlige Ungewißheit, der Umstand, daß er jetzt weder wisse, ob Josef überhaupt weggefahren sei, ob er unterwegs aufgrund der Witterungsverhältnisse aufgehalten wurde oder nur zu spät in Wien eingetroffen ist. Vielleicht habe er es einfach nur abgelehnt, sich auf eine Hetzjagd zum Bahnhof zur Beruhigung Stefans einzulassen.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Mittwoch, 24. Oktober 2012

DB-006 (2) (Eine Schar junger Leute)

Eine Schar junger Leute strömt lärmend zur Gepäckaufbewahrung. Aus ihnen löst sich ein großes, dünnes Mädchen mit fleckigen Wangen und bleibt dicht hinter Stefan stehen, der sich inzwischen beim Kiosk für Reiseproviant angestellt hat. Der Dickbebrillte in dem auffällig schmutzigen Ballonmantel, der vorher unschlüssig vor dem geschlossenen Zeitungsstand gelauert hat, hängt sich sofort an die Hochaufgeschossene, die vor seiner unvermittelten Annäherung nicht zurückweicht. Er redet, als wäre er der Bahnhofsvorsteher, über die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der nächsten Züge und kommt gleich auch auf die Ursachen des Unfalls zu sprechen, das sich vor einigen Monaten in diesem Bahnhof ereignet haben soll.

Das Mädchen tritt von einem Fuß auf den anderen und öffnet ihren viel zu weiten Anorak. Dabei wird eine Kette mit dem Schwarz-Weiß-Foto des Bhagwan kurz sichtbar, zwischen zwei ovale Plastikscheiben gepreßt. Der Auskunftgeber wirft einen schnellen Blick darauf und folgt ihr in einigem Abstand, als sie sich wieder ihrer Gruppe anschließt. Auf einmal besinnt er sich eines Besseren, haut sich mit der Hand gegen die Stirn und dreht sich in Richtung Stefan: Er wolle doch nach St. Pölten; was tue er da am Südbahnhof? Stefan, der fürchtet, er sei nun als Gesprächspartner zur Erörterung dieser Frage auserkoren, schaut nach unten. Die Schuhe gtreten auf der Stelle, als wäre der Mann noch unschlüssig.

Stefan wendet sich abrupt den drei Reisenden vor ihm zu, die endlich ihren Proviant erhalten haben. Als er zwei Liter Milch verlangt und die blasse Rothaarige hinter der Fensteröffnung: Haltbarmilch? fragt, berührt ihn jemand an der Schulter. Stefan riecht Weindunst und zögert, die verneinende Antwort an die Verkäuferin dazwischenschiebend, die sich ankündigende Blitzerkenntnis so lang hinaus, bis ihn der hinter ihm nochmals anhaucht und seinen Kopf unwillkürlich zur Seite schnellen läßt. Er erfaßt das aufgedunsene, unrasierte Gesicht eines vielleicht Fünfzigjährigen, das ihm: Kollege, Kollege! entgegenlallt.

Sein Zurückweichen vor dessen Fratze macht Stefan sofort wieder rückgängig, indem er sich zu ihm hinabbeugt, ein Ohr hinhält, in das der Besoffene, die Augen zukneifend, seinen einzigen Wunsch preßt, den nach ein paar Schilling. Was Stefan vom Einkauf retour bekommen hat, stopft er in die Hand des Mannes, der schon wegtorkeln wollte, nun aber zurückzuckt und einen Schwall von Dankesbezeigungen auf ihn losläßt.

Niedergeschlagen setzt Stefan seinen Fuß auf die Rolltreppe. Josef muß ihm diesen Trunkenbold auf den Hals gehetzt haben, um ihm seine eigene Hilflosigkeit vor Augen zu führen, seine Ausgesetztheit und Ausweglosigkeit. Ein Nichttrinker wird einen Trinker niemals verstehen: Das ist Josefs Botschaft von weit weg aus der Finsternis, vielleicht noch auf der Autobahn zwischen Linz und Wien, aus dem Zentrum des Schneesturms.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

Dienstag, 23. Oktober 2012

DB-005 (2) (Stefan dreht sich um)

Stefan dreht sich um, da steht Lena hinter ihm. Der Zug sei bereits eingetroffen. Da er ihr aber nicht schweigend im vermutlich noch kalten Coupé gegenüberzusitzen will, bittet er sie, vorgehen. Er wolle noch eine Weile in der Halle herumschlendern, um sich zu beruhigen. Aber er hoffe noch immer darauf, daß Josef vor der Abfahrt auftaucht.

Zuerst so lange keine Nachricht von ihm. Dann die Karte, die Stefan ein Wiedersehen erwarten ließ. Und jetzt, da er seit dem frühen Morgen von Berlin her unterwegs sein müßte, kein Anruf von unterwegs, kein Lebenszeichen, obwohl auf der Strecke dichtes Schneetreiben herrschen muß. In einem Schreckbild ist Josef samt Freundin bereits an einem Baum zerschellt, im sich meterhoch auftürmenden Schnee versunken, unauffindbar für alle Zeiten.

Josef bei der letzten Zusammenkunft vor etwa einem halben Jahr: schon um zehn Uhr vormittags sturzbetrunken. Den gewaltigen, einst rotlockigen, jetzt fast kahlen Schädel zwischen die Hände gepreßt, die Augen geschlossen, Schweiß auf den Bartstoppeln, so ist er beim Tisch gesessen, immer knapp am Wegrutschen und Unten-Aufschlagen. Es dauert eine Ewigkeit, bis er Stefan erkennt. Er zittert mit der Hand in seine Richtung und wirft ihm seine Scheiß-Zweierbeziehung vor, wo kein Platz mehr sei für alte Freunde, die sich aus lauter Kummer darüber dem Alkohol hingeben müßten. Er reduziert Stefans Verhältnis zu Lena auf "Scheiße im Arsch". Er müsse ihr immer wieder "die Scheiße aus dem Arsch wischen", glaube aber, das sei das ganze Glück dieser Erde, dieses "dankbare Scheiße-aus-dem-Arsch-Wischen", dieses "Scheiße-Fressen", "immer nur Scheiße, Scheiße mit den Weibern!"

Zu ebener Erde macht Stefan Runde um Runde, ohne auf Josef zu stoßen. Mehrere Männer Mitte Zwanzig stehen vor einem großen Glaskasten, in dem sich Miniaturzüge durch Tunnels, Bahnhöfe und über Nebengeleise schlängeln, halten, weiterfahren, bis die Zeit um ist und die Männer einen Moment verblüfft der Wirkungslosigkeit ihres Drehens an den Geschwindigkeitsreglern gewahr werden und sich dann schnell entfernen, ohne eine weitere Münze eingeworfen zu haben.

(Die Berliner Entscheidung, Residenz Verlag, 1984)

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