L-08 JUNKTIM

1

gestern ein Junktim: ich darf,
sagt sie, wenn. Nicht Kopf
oder Adler, ich darf, wenn.
So ist es ausgesprochen, ich darf, wenn -
davon nicht gealtert, sogar verjüngt.
Ausfahrtsplanung, zu zweit,
nicht im Schnee, über den üblichen
Rahmen hinaus, in aller Öffentlichkeit.
Venedig-Gefühl, das gerettet werden muß.
Verreist mit der Muse, der hiesigen,
hitzigen, der andern, die lockt
mit Verstummen, Übertreibung
der Familiengeschichten, ihrem real
gelebten Minimalismus, Gefährdung
in fast jedem Bereich

2

der Boden glatt, das Mobiliar
zusammengeschludert, stilles
Armutszeugnis vergangener Generationen.
Und wir in deren Betten, ohne Recht,
etwas zu fordern. Ihre Porträts
im Korridor starren auf uns
Eindringlinge, die sie blenden.
Wir sind da, ohne Kommentar.
Abgekoppelt verbringen wir unsere Tage,
machen ausführliche Notate
zwischen unseren Träumen,
die wir nicht mehr erinnern,
in Erwartung einer schönen Wetterlaune;
und als Draufgabe am Abend ein kurzer,
sich schnell ausbreitender Taumel

(Montag, 18. September 2006, 4.30 Uhr, Venedig)

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